Yvonne Wübben: »Verrückte Sprache«
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Mit Jutta Müller-Tamm, Michael Hagner und Yvonne Wübben
Dichter und Psychiater ähneln sich in ihren Verfahrensweisen: Sie schreiben auf, streichen durch, überarbeiten und fixieren, was zum gedruckten Text werden soll. So entstehen wesentliche Aspekte der psychischen Krankheit auch unter den besonderen Bedingungen von Schriftlichkeit, d. h. in einem konkreten Schreib- und Aufzeichnungsraum. Aus einer wissensgeschichtlichen Perspektive untersucht Yvonne Wübben, wie literarische Werke und briefliche Zeugnisse im 19. und frühen 20. Jahrhundert für die Diagnose von psychischen Krankheiten herangezogen werden.
Ohne die Sprache der Dichtung gäbe es keine psychiatrische Wissenschaftssprache: »An dem, was sie damals als Wahnsinn erkannte, fand die psychiatrische Wissenschaftssprache zu ihrem nüchternen Stil. Diese These verficht die Bochumer Germanistin und Medizinerin Yvonne Wübben in ihrem Buch »Verrückte Sprache. Psychiater und Dichter in der Anstalt des 19. Jahrhunderts.« (Konstanz University Press). Sie scheint zunächst sehr scholastisch aus ihrer Doppelqualifikation hervorzugehen. Wübbens Gespür für die Bruchlinien und Wechselwirkungen bei der Genese der Wissenschaftssprache aus der Abgrenzung zum Wahn machen die Lektüre aber oft zu einem Vergnügen. Es liest sich streckenweise wie ein Roman, wie die Dichtung auf die Streckbank der Psychiater geriet, sich aus diesem Griff wieder löste und der Wahnsinn seine eigene literarische Sprache bekam.« (Thomas Thiel, FAZ)
Jutta Müller-Tamm, Professorin für Neuere deutsche Literatur an der FU Berlin und Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich, sprechen mit Yvonne Wübben über ihr Buch.
Zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum