Was die Wissensgesellschaft weiß und was ihr fehlt 2

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Mit Hartmut Eggert, Simone Winko und Manfred Pfister

Mit Hartmut Eggert, Simone Winko und Manfred Pfister

Literarischer Kanon gilt als Element kultureller Identität; er stellt die Verbindung her zwischen Kulturen der Vergangenheit und unserer Gegenwart; er setzt ästhetische Normen, wird also auch als Geschmackszensur und als Einschränkung der frei schweifenden Lust an der Literatur empfunden. Kanon und Bildungsinstitutionen gehören zusammen. Wenn nach PISA erneut über die Ziele schulischer Bildung diskutiert wird, kommt es auch wieder zu einer Kanon-Debatte.
Ein Kanon ist nicht statisch, nicht unwandelbar. Der deutsche Literaturkanon stand in engem Zusammenhang mit der Idee der Kulturnation. Die DDR bemühte sich um eine andere Tradition und definierte ein eigenes »kulturelles Erbe«.
Wie verhält sich die Ästhetik der Moderne zur kanonischen Literatur? Wie verhält sich die deutschsprachige Literatur zu bedeutenden Werken der europäischen Tradition? Wie klingt die Stimme der deutschen Literatur im Konzert europäischer Literaturen?

Kanon neu denken. Der Berliner Literaturwissenschaftler Hartmut Eggert [Arbeitsschwerpunkte: Roman und Romantheorie seit dem 18. Jahrhundert, literarische Sozialisation, Didaktik des Literaturunterrichts] erläutert den aktuellen Stand der Kanon-Diskussion in der Germanistik.
Simone Winko [Veröffentlichungen u.a.: Einführung in die Wertung von Literatur, zusammen mit Renate von Heydebrand, 1996; Literatur-Kanon als invisible hand-Phänomen, Aufsatz, 2002; Codierte Gefühle. Zur Poetik der Emotion, 2003] spricht über den Mechanismus der Kanon-Bildung.
Manfred Pfister, Professor für englische Literatur, zur Zeit Dekan des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin, hat eine Ringvorlesung zu Fragen des literarischen Kanons initiiert. In seinem Vortrag »Grenzüberschreitungen des Nationalen: Europäische Kanonbildungen« erinnert er zum Beispiel daran, daß Laurence Sterne in Paris entdeckt wurde und schneller als der in Deutschland neu gedeutete Shakespeare in den europäischen Kanon aufgenommen wurde oder daß Oskar Wilde über Wien zu seinem literarischen Rang gelangte.
Das anschließende Gespräch moderiert Hartmut Eggert.