Walter Kempowski: Plankton. Ein kollektives Gedächtnis

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Simone Neteler stellt das Plankton-Verfahren und das fertige Buch vor. Im Anschluß daran lesen Britta Steffenhagen und Frank Arnold.

Schriftsteller *1935, NS-Zeit. Ich ging mit meinem Vater zum Gemüsegeschäft an der Ecke, und er erzählte mir von Hitler. Und da sagte ich: »Wie merkwürdig, daß es so einen Menschen wirklich gibt.« Als ob der »Guten Morgen« hieße, so kam mir das vor, weil man doch überall »Heil Hitler« grüßen mußte, und was der Gruß eigentlich zu bedeuten hatte, wußte ich nicht.
[Eintrag in »Plankton«]

Erinnern Sie sich an eine Brücke? Was ist Ihre erste Erinnerung? Erinnern Sie sich an ein Foto aus Ihrem Leben? Haben Sie mal einen Prominenten gesehen? Welches Verhältnis haben Sie zur Religion? Erinnern Sie sich an den Tag, als die Mauer fiel? Haben Sie Hitler gesehen? Kennen Sie ein Gedicht auswendig? Haben Sie von den Judenverfolgungen, von den KZ gewußt? Wie war Ihre Kindheit?
Diese und weitere Fragen hat Walter Kempowski bei seinen Begegnungen mit Zeitgenossen gestellt und die Antworten notiert. Sie waren Teil des »Plankton«-Projektes, einer Sammlung alltäglicher kollektiver Gedächtnissplitter, der Beifang, den die großen Erinnerungsschübe mit sich führen. Nach seinem Tod hat die langjährige Mitarbeiterin Walter Kempowskis, Simone Neteler, das Material durch den Einsatz eines »Zufallsgenerators« in die Un-Ordnung gebracht, die Walter Kempowski im Unterschied zu den zehn »Echolot«-Bänden angestrebt hatte.

Simone Neteler stellt das Plankton-Verfahren und das fertige Buch (erschienen im Knaus Verlag) vor. Im Anschluß daran lesen Britta Steffenhagen und Frank Arnold aus »Plankton. Ein kollektives Gedächtnis«.