Vorurteile in der Kinder- und Jugendliteratur
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Mit Prof. Dr. Wolfgang Benz, Dr. Ute Benz, Dr. Mona Körte, Yasemin Shooman, M.A., Dr. Brigitte Mihok, Sabine Berloge, Dr. Matthias Schwerendt, Dr. Isabel Enzenbach, Dr. Juliane Wetzel, Dr. Verena Walter und Michael Reichelt
Eine Tagung des Zentrums für Antisemitismusforschung im Literaturhaus Berlin.
Vorurteile werden früh erlernt und eingeübt. Familie, Milieu, Lektüre prägen die Wahrnehmung von Gruppen und Minderheiten durch Kinder und Jugendliche. Früh erworbene Ressentiments bleiben besonders wirksam und bestimmen das Weltbild vieler Erwachsener. Die Folgen – Ausgrenzung, Diskriminierung, Gewalt – bestimmen das Klima der Mehrheitsgesellschaft und die Lebensqualität von ethnischen, kulturellen, sozialen oder sexuellen Minderheiten.
Historische und aktuelle Aspekte von Rassismus und Antisemitismus, von Ressentiments gegen Muslime, gegen Sinti und Roma, Homosexuelle oder andere Minderheiten sind Gegenstand der interdisziplinären Tagung. Wie werden, gezielt oder aus Versehen, manchmal in guter Absicht, aber mit entgegengesetzter Wirkung, Lektüren propagiert, die Vorurteile transportieren oder Ressentiments festigen, lautet die zentrale Frage. Ein Beispiel wäre „Jenö war mein Freund“, die Erzählung von Wolfdietrich Schnurre, die Verständnis für Sinti und Roma wecken will, aber in den Klischees gegen „Zigeuner“ verharrt. „Damals war es Friedrich“ mussten Generationen von Schülern lesen, ehe sich die Einsicht verbreitete, dass das Buch nicht der Aufklärung dient. Rassistische Stereotype waren in der Kinderliteratur seit dem 19. Jahrhundert üblich. Vorurteile gegen Minderheiten oder „Fremde“ werden, oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, in Jugendbüchern, in Schullektüren, in Comics, Serien des unterhaltenden Genres gepflegt.
Ziel der Tagung ist es, auf diese Problematik und ihre Wirkungen aufmerksam zu machen.
Freitag, den 11. Dezember 2009
14.00 Uhr: Begrüßung
14.15 Uhr: Von ausgrenzender Propaganda zur missglückten Zuwendung. Minderheiten im Lesestoff junger Menschen. Prof. Dr. Wolfgang Benz
15.00 Uhr:„Kinder brauchen Märchen“. Das Gute und das Böse: Frühe Lektüre als prägendes Element. Dr. Ute Benz
15.45 Uhr: Das Fremde in den Märchen der Brüder Grimm. Dr. Mona Körte
16.30 Uhr: Kaffeepause
17.00 Uhr: Durch Wüste und Harem. Orient und Orientalen bei Karl May. Yasemin Shooman, M.A.
17.45 Uhr: Wild, lockend und gefährlich: „Zigeunerin“ und „Zigeuner“ als populäre Klischees im Comic. Dr. Brigitte Mihok
Samstag, den 12. Dezember 2009
10.00 Uhr: Die Ausgrenzung der Anderen: Homosexualität in Jugendbüchern. Sabine Berloge
10.45 Uhr: „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid“. Antisemitische Lektüren im nationalsozialistischen Unterricht. Dr. Matthias Schwerendt
11.30 Uhr: Pause
12.00 Uhr: Des Führers neue Kleider? Bebilderte Kinderbücher als Schullektüren zu Nationalsozialismus und Holocaust. Dr. Isabel Enzenbach
12.45 Uhr: Mittagspause
14.00 Uhr: Damals war es Friedrich. Vom zähen Leben missglückter guter Absicht. Dr. Juliane Wetzel
14.45 Uhr: Der Junge im gestreiften Pyjama. Dr. Verena Walter
15.30 Uhr: „Judenbilder“ in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR. Michael Reichelt
16.15 Uhr: Abschlussdiskussion