Vera Lourié: Briefe an Dich

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Doris Liebermann stellt die Erinnerungen der Vera Lourié vor; Viola Sauer liest ausgewählte Passagen.

Doris Liebermann stellt die Erinnerungen der Vera Lourié vor; Viola Sauer liest ausgewählte Passagen.

Als ich eines Tages in das Haus der Künste kam, um Gumiljow zu besuchen, wurde ich im Foyer davor gewarnt, in sein Apartment zu gehen. Denn dort sei eine Mausefalle der Tscheka, der bolschewistischen Geheimpoliziei. Er selbst sei bereits verhaftet worden und oben wären Tschekisten postiert, die auf seine Freunde lauerten, um auch diese festzunehmen.
Während seiner Haft wurde Gumiljow von drei Frauen versorgt, die ihm Päckchen in das Gefängnis brachten; Anja Engelhardt, Ida Nappelbaum und Nina Berberova, die Lebensgefährtin des Dichters Wladislaw Chodassewitsch.
[Vera Lourié]

Vera Lourié, 1901 in einer bürgerlichen Familie in St. Petersburg geboren, nach der bolschewistischen Revolution mit der Familie nach Berlin geflohen, überlebte hier den Nationalsozialismus, den Krieg und den Einmarsch der Roten Armee. In den achtziger Jahren wurde sie erstmals als Zeitzeugin befragt und veröffentlichte einen Gedichtband. In dieser Zeit verfaßte sie in Form von Briefen an eine Geliebte ihre Erinnerungen, die nun, um autobiographische Texte, Dokumente und Fotos aus dem Nachlaß, von Doris Liebermann ediert, erstmals veröffentlicht wurden: Vera Lourié »Briefe an Dich. Erinnerungen an das russische Berlin« (Schöffling & Co).
Doris Liebermann stellt die Erinnerungen der Vera Lourié vor; Viola Sauer liest ausgewählte Passagen.