Uwe Kolbe: Brecht. Rollenmodell eines Dichters

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Im Vergleich zu den Dramen, die Marxismus und Moderne seit ihrer parallelen Entstehung aufführten, sind der deutsche Realsozialismus und seine kritischen Dichter in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit eine Farce. Brecht und seine Nachgeborenen – in meiner Auswahl Volker Braun, Wolf Biermann, Heiner Müller und Thomas Brasch – sorgten nur dafür, daß sie vierzig Jahre auf dem Spielplan blieb.
[Uwe Kolbe]

Brechts Selbstinszenierungen – Lederjacke, Zigarre, Kurzhaarschnitt – sind mindestens so kanonisch wie seine Texte. Wie aber konnte so ein Großer der Moderne sich mit der Schäbigkeit eines grauen und oft grauenhaften Staats wie der DDR arrangieren? Und wie ist zu erklären, daß das von Brecht vorgegebene Rollenmodell des kritischen Intellektuellen bis heute fortwirkt? Mit seinem fulminanten Essay liefert Uwe Kolbe nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Rolle des Dichters in geschlossenen Gesellschaften. Er wirft darüber hinaus auch die hochaktuelle Frage auf, inwiefern selbst weitgehende künstlerische Kritik die Macht und die Unfreiheit legitimieren kann.

Uwe Kolbe liest aus seinem soeben im S. Fischer Verlag erschienenen Buch; Moderation und Gespräch:  Gregor Dotzauer