Ursula Ackrill: Zeiden, im Januar
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Die Blicke der Jungen auf ihr, ihr torpides Abwarten, daß sie Stellung nimmt. Der Blick der Ärzte, herausfordernd, schadenfroh: Sie wird sich abfinden müssen. Was sie tun, hilft schließlich den Jungen. Ihr Einschmuggeln in die Waffen-SS bewahrt sie vor dem Dienst im rumänischen Militär. Will sie denn, daß sie die Prügelknaben ihrer Kompanien abgeben? Hat man sie dafür erzogen? Hat sie ihre Nachmittage mit ihnen dafür vertan, daß sie wie Flachs gebrochen werden?
[Ursula Ackrill]
Siebenbürgen im Januar 1941. Der Krieg rückt den Menschen in Zeiden auf den Leib und spaltet die Bürgerschaft. Leontine Philippi spürt die Gefahr schon seit langem und warnt vor der Option für den Nationalsozialismus. Auch versucht sie, ihre große Liebe zu vergessen und bricht mit ihrem ältesten Freund. Während in Siebenbürgen deutschuniformierte Paraden stattfinden, um die Rumänen zu provozieren, finden in Bukarest die kriminelle Ausplünderung der Juden und das Pogrom im Wald von Jilava und im Bukarester Schlachthaus statt. Die Tage im Januar 1941, von denen Ursula Ackrill in ihrem Roman »Zeiden, im Januar« (Wagenbach Verlag) erzählt, geben einen tiefen Einblick in die Geschichte der Siebenbürger Sachsen und ihre Verstrickung in die Verbrechen des Nationalsozialismus.
Ursula Ackrill, 1974 in Kronstadt/Siebenbürgen geboren, lebt als Bibliothekarin und Schriftstellerin in Nottingham. Sie liest aus ihrem soeben erschienenen Roman.