Ulrike Draesner: Sieben Sprünge vom Rand der Welt

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Einführung und Gespräch: Angelika Klammer

Einführung und Gespräch: Angelika Klammer

Ich sehnte mich danach, mit einem erwachsenen, fürsorgenden Vater zu sprechen. Nicht er sollte klein sein, sondern ich; er sollte mich füttern (mit Rat und Weltwissen) und mir aus der Patsche helfen, aber in Wirklichkeit war es andersherum, er das Kind, trotzig, und ich sollte ihn leiten und erziehen, wobei er sich zugleich eben dagegen mit der Zähigkeit und dem Instinkt eines alten Mannes wehrte.
[Ulrike Draesner]

Eustachius Grolmann, 83 Jahre alt, ist ein Kriegskind. Immer noch wird er von den Erinnerungen an die Flucht im Winter 1945 und dem Tod seines Bruders heimgesucht. Seine Tochter Simone, 52 Jahre alt, angesehene Professorin für Verhaltensforschung, leitet das Institut, das ihr Vater aufgebaut hat und geleitet hatte. Sie hat Angst vor Schnee. Siebzehn Jahre vor ihrer Geburt waren ihr Vater, sein behinderter Bruder Emil und Lilly, die Mutter der beiden, von Breslau aus nach Westen geflohen.

Die Geschichte einer Familie, vier Generationen und hundert Jahre mitteleuropäischer Geschichte erzählt Ulrike Draesner in ihrem Roman »Sieben Sprünge vom Rand der Welt« (Luchterhand Literaturverlag); Ulrike Draesner liest aus diesem Roman.