Szilárd Borbély: Die Mittellosen
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Wir gehen und schweigen. Dreiundzwanzig Jahre trennen uns. Die Dreiundzwanzig kann man nicht teilen. Die Dreiundzwanzig ist nur durch sich selbst teilbar. Und durch eins. So ist die Einsamkeit zwischen uns. Man kann sie nicht in Teile zerlegen. Man schleppt sie als Ganzes mit sich. Wir bringen das Mittagessen. Wir laufen über die aufgeschüttete Erde. Feldrücken sagen wir dazu. Ogmands Feldrücken. Wir gehen immer hier entlang, wenn wir Holz aus dem Wald holen.
[Szilárd Borbely]
In einem kleinen Dorf am »Waldrücken«, im Nordosten Ungarns wächst ein kleiner Junge auf, der Erzähler des Romans »Die Mittellosen«. Früh hat er gelernt, wie man Tiere tötet und sich mit halbverfrorenen Fingern die Fußlappen bindet. Auch nimmt er mit wachen Sinnen wahr, mit welchem Mißtrauen die Leute im Dorf ihn und seine Familie betrachten. Mit einer fast unheimlichen Sensibilität erspürt Szilárd Borbély die Verwüstungen, die Krieg, Nazikollaboration und Kommunismus angerichtet haben.
Szilárd Borbélys Roman »Die Mittellosen. Ist der Messias schon weg?« (Suhrkamp Verlag), von Heike Flemming und Lacy Kornitzer aus dem Ungarischen übersetzt, ist ein poetischer Einspruch gegen die Brutalität einer verkommenen dörflichen Welt und das Buch einer höchstempfindlichen Weltwahrnehmung.
Szilárd Borbély, 1963 in Fehérgyarmat im Nordosten Ungarns geboren, hat seit 1988 rund ein Dutzend Gedicht- und Prosabände veröffentlicht. Er war Hochschullehrer in Debrecen und übersetzte aus dem Deutschen. Im Februar 2014 nahm er sich das Leben.
Katharina Raabe stellt den Autor und sein Buch vor und spricht mit den Übersetzern. Frank Arnold liest den deutschen Text.