Susanne Leonhard: Gestohlenes Leben

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Ausstellung »Samizdat« im GULAG

Mit »Unterirdischer Literatur« hatte sich Susanne Leonhard (1895-1984) als Mitglied der KPD (aus der sie 1925 wieder austrat) schon in ihrer 1920 veröffentlichten Textsammlung revolutionärer Schriften aus der Kriegszeit befaßt – 20 Jahre später war sie zeitweilig Betreuerin einer schon weitgehend als Rauchpapier verbrauchten Bibliothek eines Arbeitslagers nahe Workuta: Der drohenden Verhaftung in Berlin ausweichend, war sie mit ihrem Sohn Wolfgang 1935 nach Moskau gereist, wo sie 1936 zu fünf Jahren Lager verurteilt wurde. Erst 1948 gelang es Wolfgang Leonhard (1921-2014), mittlerweile in einflußreicher Position in der SBZ, seine Mutter freizubekommen und nach Ost-Berlin zu holen. Er flüchtete im März 1949 nach Belgrad, kurz darauf übersiedelte Susanne Leonhard nach Westdeutschland, wo sie zunächst vom US-Geheimdienst interniert wurde. 1956 erschien ihr bewegender, schon während der 8-monatigen Internierung geschriebener Bericht »Gestohlenes Leben. Schicksal einer politischen Emigrantin in der Sowjetunion«, ein Jahr nach Wolfgang Leonhards populärem Buch »Die Revolution entläßt ihre Kinder«.Elke Leonhard, Diplom-Psychologin und Publizistin, seit Jahrzehnten für die SPD aktiv, wurde noch als Studentin engste Vertraute ihrer künftigen Schwiegermutter.

Im Gespräch mit Wilfried F. Schoeller schildert Elke Leonhard das Schicksal Susanne Leonhards, berichtet von deren angespanntem Verhältnis zu ihrem Sohn Wolfgang und stellt ein herausragendes Erinnerungsbuch vor; Lesung: Judica Albrecht.