Stratis Tsirkas: »Steuerlose Städte«

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Jerusalem, Kairo und Alexandria, drei Städte im Kriegszustand, sind die Schauplätze der drei Romane »Der Club«, »Ariagni«, »Die Fledermaus«, die zu den wichtigsten Werken der neugriechischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehören. Das Zeitfenster der Handlung beträgt gerade 23 Monate, vom 7. Juni 1942 (99 Jahre nach Hölderlins Tod) bis zum Mai 1944, zur Verurteilung der griechischen Exilstreitkräfte in Ägypten und Palästina, die beim Ende des zweiten Weltkriegs die Errichtung einer Regierung der nationalen Einheit anstrebten und gegen die griechische und englische royalistische Militärführung revoltierten. Gleichzeitig sind damit die kulturellen und zeitpolitischen Bezüge vorgegeben.

Die drei Romane vermitteln die europäische Moderne nach Griechenland. Zugleich steht Tsírkas‘ Trilogie im Dialog mit der Poesie von Kavafis und Seferis. Er erschafft einen polyphonen narrativen Kosmos, ein System vielfältiger Stimmen und Perspektiven. Vor allem der erste Band bietet in dichter Komposition moderne Erzähltechniken: Rückblenden und Vorausdeutungen, die die Spannung in der quasi-kriminalistischen Handlung aufrecht erhalten, oder auch den atemlosen Bewußtseinsstrom der Frau Anna, der an Joyces Molly Bloom gemahnt.

Stratis Tsirkas studierte Wirtschaft in Kairo und arbeitete ab 1929 als Buchhalter in Baumwollfabriken in Oberägypten, später als Chef einer Fabrik für Lederverarbeitung in Alexandria, wo er Konstantinos Kavafis kennenlernte. Er gehörte der kommunistischen Bewegung an und nahm aktiv Teil am antifaschistischen Widerstand der griechischen Linken von Ägypten. 1963 ließ er sich in Athen nieder und starb dort 1980. Sein Hauptwerk, die Trilogie »Steuerlose Städte«, verfaßte er teils in Alexandria, teils in Athen und beendete sie im August 1965.

Andrea Schellinger, Übersetzerin und Lektorin des ersten Bandes der Trilogie, der Literaturwissenschaftler Miltos Pechlivanos und der Schriftsteller Joachim Sartorius stellen in Gespräch und Lesung Stratis Tsirkas und sein Werk vor.
Moderation: Jörg Plath

Eine Kooperation mit der Edition Romiosini, Centrum Modernes Griechenland der FU Berlin sowie der A und A Kulturstiftung.