Sergei Lebedew: Menschen im August

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Ausstellung »Samizdat« im GULAG

Sergei Lebedews (geb. 1981 in Moskau) erster Roman »Der Himmel auf ihren Schultern«, der subtil den gesellschaftlichen Deformationen in Rußland nachspürt, die auch im Beschweigen und Verdrängen der totalitären Geschichte ihre Ursache haben, wurde 2011 sofort zum Bestseller, ebenso fand die deutsche Ausgabe von 2013 große Beachtung.

Sergej Lebedews neues Buch (wieder übersetzt von Franziska Zwerg) kehrt zu den Ereignissen vom August 1991 zurück, als der KGB versuchte, Gorbatschows Perestrojka rückgängig zu machen und ihn wegputschte. Auch der nachfolgende Präsident Jelzin widersetzte sich nicht der Macht des Geheimdienstes und des Militärs, sondern verbündete sich 1993 mit ihnen beim Sturm des Weißen Hauses in Moskau. Bis schließlich im Jahr 2000 ein Geheimdienstler das Präsidentenamt übernahm.

Lebedew verknüpft kunstvoll die Zeit des Bürgerkriegs nach der Oktoberrevolution mit dem Zerfall der Sowjetunion, als sich das Oligarchen-System etablierte und der erste Tschetschenienkrieg begann. Die unbewältigten Folgen des Terrors zeigen sich noch in der Gegenwart, etwa mit der Ermordung von Boris Nemzow. Unangefochtener Profiteur über alle Systemverschiebungen hinweg: das Netzwerk des Geheimdienstes.  

Franziska Zwerg stellt Sergei Lebedew und seinen soeben auf Deutsch (S. Fischer) erschienenen Roman vor; Max von Pufendorf liest ausgewählte Passagen.