Sarajevo

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  • Buch- und Filmpremiere

Vernesa Berbo und Nenad Veličković im Gespräch mit Vivian Perkovic. Aus dem Bosnischen übersetzt Christoph Rolle, es liest David Ruland.

Lesung & Gespräch • Li-Be in Moabit

Li-Be für die Stadt

Sarajevo vor dreißig Jahren. Es herrscht Krieg. Die Stadt ist belagert. Und doch muss das Leben irgendwie weitergehen, muss jemand erzählen, was passiert. So wie die Protagonistinnen in Nenad Veličkovićs und Vernesa Berbos Romanen, die an diesem Sarajevo-Abend aufeinandertreffen. 

Da ist Maja, Nenad Veličkovićs Protagonistin in »Nachtgäste«. Sie ist achtzehn Jahre alt und sollte Besseres zu tun haben, als im Keller eines verwaisten Museums zu sitzen und zu schreiben, während draußen die Granaten über Sarajevo niedergehen. Um sie herum eine familiäre Notgemeinschaft: ihre Mutter, Vegetarierin mit Hang zur Esoterik, die Großmutter und ihr eigenartig eifersüchtig gehüteter Koffer, der Halbbruder und seine schwangere Frau, die ihre Hypochondrie pflegt, der Vater als Direktor des Museums, außerdem zwei Partisanen und der Hund Sniffy. Diese Mitbewohner nimmt Maja genauso aufs Korn wie das Leben in der belagerten Stadt. Nenad Veličkovićs gefeierter Roman erschien zum ersten Mal vor dreißig Jahren, nun ist er – aus aktuellem Anlass? – erneut aufgelegt worden. 

Und da ist Dijana, Vernesa Berbos Protagonistin in »Der Sohn und das Schneeflöckchen«. Sie ist Schwester, Tochter und Soldatin. Auf die Frage, warum sie »Sohn« genannt wird, lächelt ihr Vater nur geheimnisvoll, als wüsste er etwas über sie, das früher oder später alle sehen würden. Dijana ist selbstbewusst und leidenschaftlich, vor allem aber ist sie die Beschützerin von Dada, ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester. Mit Beginn der Belagerung Sarajevos im Jahr 1992 wird Dijana klar: Es ist an ihr, ihre Schwester, das »Schneeflöckchen«, lebend durch den Krieg zu bringen. 

Vernesa Berbo ist Überlebende der Belagerung Sarajevos und stößt uns mitten hinein in jene Realität des Krieges, die noch immer zu wenig Beachtung findet: das Schicksal der Frauen, ihre tiefe seelische Verwundung, aber auch ihre große innere Stärke.

Im Gespräch mit der Kulturzeit-Moderatorin Vivian Perkovic sprechen Vernesa Berbo und Nenad Veličković über ihre Romane und Sarajevo vor dreißig Jahren.

Aus dem Bosnischen übersetzt Christoph Rolle. Es liest David Ruland.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit traduki. 

Vernesa Berbo »Der Sohn und das Schneeflöckchen«, Frankfurter Verlagsanstalt 2025
Nenad Veličković »Nachtgäste«, Jung & Jung 2025