Sarah Kirsch: Ænglisch
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Im Zoo gestern hatten alle Thiere einen rosa Schein von der schönen umgebenden Erde. Die großen Schildkröten ebenso wie die Zebras! Alles leicht pink, das war lustig. Von denen Flamingos ganz zu schweigen, die standen im roten Wasser. Die grazilen Giraffen sahen wie Hollywood-Schauspielerinnen aus. Wie Marlene Dietrich zum Beispül auf so schöne Beine und mit so hübsche Augen. Ja, so isses alles gewesen. Und mir fällt immer was uffzuschreiben ein.
[Sarah Kirsch, 4. Sept. 2000]
Im August 2000 brach Sarah Kirsch mit ihrem Sohn zu einer Reise nach Cornwall und Devon auf, das Tagebuch immer parat – auf dem dänischen Schiff bei freundlichem Wetter über die Nordsee reisend, bei Quartiersuche in Penzance, »früher Heimat der Sardinen, dann Eldorado der Maler«, auf Spaziergängen, wo sie vom Wechselspiel der Farben über der See fasziniert ist: »silberweißes Spitzengrau wie für Herrn Turner, später das Meer schwarzer Lack«. Zu Fuß geht es auf die Insel St. Michael’s Mount, durch das Rosamunde-Pilcher-Land mit »verzauberte kleene Häuserken und gloriose Gärten« jagt der Zug über Salzwiesen bis nach Torquay. Die sprachliche Raffinesse, die einzigartigen Naturbeschreibungen und der scharfe Blick Sarah Kirschs machen ihre Reisebeobachtungen zu einem literarischen Kleinod.
Moritz Kirsch liest am Tage von Sarah Kirsch’ achtzigstem Geburtstag aus dem letzten, noch von Sarah Kirsch für den Druck vorbereiteten Werk.