Robert Walser 1878 – 1956 III

Diese Veranstaltung liegt im Archiv

  • Ausstellungen
  • Reihe

Der Vormund und sein Dichter. Ein Film von Percy Adlon

Der Vormund und sein Dichter. Ein Film von Percy Adlon (Deutschland 1978)

Am 26. Juli 1936, einem arbeitsfreien Sonntag in der Heil- und Pflegeanstalt Herisau, besucht Carl Seelig erstmals den Klinikpatienten Robert Walser. Walser reagiert mißtrauisch, man schweigt sich bei einem gemeinsamen Spaziergang an, schließlich bricht der Bann, und das begonnene Gespräch wird über 20 Jahre fortgeführt. Seelig, 1894 geboren, vermögend, Zürcher Journalist, Autor, Publizist und diskreter Mäzen, hatte nach der Lektüre des „Jakob von Gunten“ den Wunsch verspürt, dem Verfasser des Romans zu begegnen. Aus der Bekanntschaft mit Walser erwächst für Seelig ein neuer Lebensinhalt: Er versucht Walsers Entlassung zu erwirken, sammelt Geld für ihn, gibt mit Walsers Einwilligung dessen Texte heraus, wird im Mai 1944 Vormund und Bürge für ihn. Die zahlreichen, bis 1961 von Seelig veranstalteten Walser-Ausgaben retten das Werk vor dem Vergessen und sichern Walser ein gewisses Einkommen. Nach Walser Tod veröffentlicht Seelig 1957 sein Erinnerungsbuch „Wanderungen mit Robert Walser“, doch spätestens Anfang 1962, mit der Eröffnung von Seeligs Testament, in dem von der Verbrennung aller Walser-Handschriften – Manuskripte mit winziger, kaum lesbarer Bleistiftschrift – die Rede ist, wird auch Kritik an Carl Seelig und seiner mitunter eigenwilligen Editionsweise laut. Percy Adlon erhielt 1979 für seine Verfilmung von Seeligs „Wanderungen“ den Grimme-Preis in Gold, ebenso Rolf Illig als bester Darsteller (Robert Walser) [90 min].

Die Vorführung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Bayerischen Rundfunk.