Robert Walser 1878 – 1956 II
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Mit Bernhard Echte
Leben eines Dichters. Leben eines Malers. / Kleiner Saal
Bernhard Echte über Robert und Karl Walser
Der Anfang, 1895/96 in Stuttgart, ist genialisch, als Karl und sein ein Jahr jüngerer Bruder Robert Walser versuchen, der schweizerischen Provinzialität zu entkommen, und erst einmal die schwäbische Residenzstadt aufmischen. Am Ende, nach 1929, Robert Walser ist mittlerweile in der Anstalt Waldau untergebracht, bricht der ältere den Kontakt ab, weigert sich, finanziell einzustehen, betrachtet den Bruder als schrulligen Simulanten. Die gemeinsamen Jahre in Berlin von 1905 bis 1910 verbringt Robert in äußerster Anhänglichkeit an Karl Walser, der als Bühnenausstatter besonders bei Max Reinhardt überaus erfolgreich ist, der in der Berliner Sezession ausstellt und deren Vorstandsmitglied wird, der Wandbilder in den Villen von S. Fischer und W. Rathenau malt. Robert Walser setzt für die Veröffentlichung seiner Bücher bewußt auf die Popularität des Buchgestalters Karl Walsers, der auch deutlich höhere Honorare als er selbst bekommt. Bis zu den „Prosastücken“ (1916) erscheinen alle Bücher von Walser mit Illustrationen oder Einbänden seines Bruders, zuletzt, 1925, „Die Rose“ bei Rowohlt. Indes ist die schleichende Entfremdung nicht aufzuhalten. Karl Walsers meint, in Texten seines Bruders denunziert zu werden, Robert Walser weist die vom Bruder vorgelebte Rolle des arrivierten Künstlers endgültig von sich. Bernhard Echte, R. Walser-Archiv, spricht über Robert und Karl Walser und zeigt seltene, in langjähriger Recherche zusammengetragene Aufnahmen von Karl Walsers zum Teil schwer zugänglichen Werken.