Rhetorik der Reaktion / Teil 2

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Gabriele Kämper: Die männliche Nation und die Angst vor der Verweiblichung

Seit dem Mauerfall hat sich in Deutschland unter dem Motto der selbstbewussten Nation eine neue intellektuelle Rechte formiert. Schriftsteller, Publizisten und Historiker wie Botho Strauß, Rüdiger Safranski oder Rainer Zitelmann werben in politischen Essays für eine Gesellschaft, die sich statt sozialer Gerechtigkeit, Gleichheit und Friedfertigkeit alte Werte und neue Eliten, Lust an der Ungleichheit und Härte in der Auseinandersetzung auf die Fahnen schreibt. Diese Politikvorstellungen werden in der neurechten Rhetorik an geschlechtliche (Selbst)bilder gebunden, die der Inszenierung selbstbewusster Männlichkeit dienen. Das rhetorische und emotionale Panorama der neuen intellektuellen Rechten umfasst Aspekte wie eine idealisierte männliche Autonomie, das Menetekel gesellschaftlicher Verweiblichung, kriegerische Selbstbehauptung, Verschmelzungsphantasmen mit Mutter Erde oder das Motiv des Vatermordes als Vaterlandsmord. Männliches Subjekt und Nation verschwimmen zu einer Einheit in Text und Imagination.

Referentin: Gabriele Kämper

Eine gemeinsame Veranstaltung von Rosa Luxemburg Stiftung und TOP B3rlin.