Reto Hänny: Blooms Schatten
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»Ulysses« in einem Satz? Der Schweizer Reto Hänny unternimmt dieses Wagnis. Wie sein Lehrmeister Joyce folgt er seinem Protagonisten Bloom, jenem weltberühmten erfolglosen Annoncenakquisiteur, durch einen beinahe ereignislosen Tag. Einzig, daß Blooms Frau, eine üppige Opernsängerin mit spanischem Blut, am Nachmittag ihren Liebhaber empfängt, überschattet drohend diesen gewöhnlichen Tag. »Blooms Schatten« ist in spielerischer Auseinandersetzung mit »Ulysses« von James Joyce entstanden: ein rasantes und anspielungsreiches sowie irreführendes Prosastück und in seiner rhythmischen und kompositorischen Präzision ein radikales Sprachkunstwerk.
Reto Hänny, geboren 1947 in Tschappina, einem kleinen Bergdorf in Graubünden. Nach ausgedehnten Reisen und verschiedenen Tätigkeiten u.a. als Bühnenarbeiter am Theater in Chur, debütierte er 1979 mit »Ruch. Ein Bericht« und erregte mit »Zürich, Anfang September«, einem Bericht über die Zürcher Jugendunruhen 1980, erstmals großes Aufsehen. Neben seiner intensiven Auseinandersetzung mit Neuer Musik und Bildender Kunst entsteht ein überschaubares, aber um so dichteres literarisches Werk. Reto Hänny liest aus »Blooms Schatten« (Matthes und Seitz Berlin).