»Polnische Wirt[h]schaft«
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Mit Hubert Orlowski
Das moderne deutsche Bild Polens und der Polen steht im festen Bezugssystem zu dem im wörtlichen Sinne Schlüsselbegriff »polnische Wirtschaft«. Dank dem darin enthaltenen Begriff »Wirtschaft« bündelt die Phrase verschiedene normative, politische und soziale Bedeutungsebenen. Deshalb ist diese Phrase in der sozialen Kommunikation vielfältig einsetzbar. Der Kern dieses Stereotyps liegt in der Verurteilung des unwirksamen Handelns, der Machtlosigkeit also. Die Besonderheit dieses Stereotyps ist am historischen Ort seines Ursprungs und in seiner Dauer zu suchen, in dem spezifischen »Biotop« also, das sich durch die Parallelität der Prozesse der Nation Building, d.h. der Entstehung der Nationalstaaten, und der Modernisierung definiert. Das Zerrbild der polnischen Rückständigkeit hat in dem langen 19. und kurzen 20. Jahrhundert einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des deutschen Selbstwertgefühls geleistet.
Hubert Orlowski spricht über Stereotype der langen Dauer und fremdnationale Identitätszuschreibungen.
Der Literaturwissenschaftler, Publizist und Herausgeber Hubert Orlowski ist Professor an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen und Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften.
Sein Buch »Polnische Wirtschaft. Zum deutschen Polendiskurs der Neuzeit« erschien 1996. Im Jahre 2000 veröffentlichte er seine Arbeiten über die deutsche und österreichische Literatur des 20.Jahrhunderts »Literatur und Herrschaft – Herrschaft und Literatur«. Zusammen mit Christoph Kleßmann gibt er die »Posener Deutsche Bibliothek« heraus, in der Werke u.a. von Norbert Elias, Walter Benjamin, Gottfried Benn, Wolf Lepenies, Jürgen Kocka, Reinhart Koselleck und Thomas Mann erschienen sind.