Platonow-Lektüren I
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Vier Abende im Rahmen der Konferenz und Veranstaltungsreihe zu Utopie und Gewalt. Werk und Wirkung des Schriftstellers Andrej Platonow (1899-1951)
»Ein großer Schriftsteller ist einer, der einem Menschen, der am Ende ist, einen Lichtblick zeigt, einen Ausweg, ein Beispiel, an das er sich halten kann. Nach Platonow gab es einen solchen Schriftsteller in der russischen Prosa nicht wieder«, schrieb Joseph Brodsky 1984 im amerikanischen Exil. Die Unterdrückung der Romane »Tschewengur« und »Die Baugrube« habe die »gesamte Literatur um fünfzig Jahre zurückgeworfen«. Aber auch für die Rezeption gilt: Im Bewusstsein der gebildeten nicht-russischsprachigen Leser hat Platonow den ihm gebührenden Platz neben Autoren der Moderne wie etwa Franz Kafka noch nicht gefunden. Er gilt als der berühmteste Unbekannte der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Obwohl einige seiner wichtigsten Romane und Erzählungen sogar mehrfach ins Deutsche übersetzt wurden, hat er bis heute keine nachhaltige Wirkung entfaltet.
Warum das so ist, darüber sprechen wir mit der Übersetzerin und drei europäischen Schriftstellern, in deren literarischem Pantheon Platonow einen zentralen Platz einnimmt. Anlass ist die Neuübersetzung des Romans »Die Baugrube« von Gabriele Leupold (Suhrkamp Verlag 2016).
Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V., des Suhrkamp Verlags und der Weltlesebühne e.V
Platonow-Lektüren I
»Am Proletariat herrscht heute ein Manko«- »Die Baugrube« übersetzen.
Gabriele Leupold im Gespräch mit Christiane Körner
Wer Platonow im Original liest, kann sich dem Reiz dieses seltsamen literarischen Idioms nicht entziehen: Es ist ein hochkomplexes, innovatives, fast „ausländisch“ klingendes Russisch, ein Amalgam aus der Rede einfacher Menschen, Parteikauderwelsch und Propaganda und einer mit philosophischen und religiösen Begriffen angereicherten Sprache. Charakteristisch ist das Ineinander von Erzähler- und Figurenrede. Ungewöhnliche Satzstellung, irreguläre Grammatik, schiefe Lexik – Platonow verbiegt die Sprache und macht sie zum Instrument der Erkenntnis.
Die Übersetzung muss sich auf der Höhe der intensiven philologischen Forschung und des sprachlichen Repertoires der deutschen Literatur seit dem Expressionismus bewegen. Viele Arbeiten werfen ein neues Licht auf die Texte, ob es nun um die Analyse der grammatikalischen Kühnheiten bei Platonow geht oder um die „Verdichtung“ als Eigenheit seines Erzählens. Christiane Körner, Übersetzerin und Publizistin, spricht mit ihrer Kollegin über das Wagnis, ein solches Werk ins Deutsche zu bringen.
Eine Veranstaltung der Weltlesebühne e.V., gefördert durch das Land Berlin (Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten)
KARTEN AN DER ABENDKASSE AB 19.15 UHR