Pasolini 8

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Mit Agnese Grieco, Frank Arnold, Wolfram Koch und Ursula Renneke

Mit Agnese Grieco, Frank Arnold, Wolfram Koch und Ursula Renneke

Folgen Pasolinis Gedichtbände und Romane in den 50er und frühen 60er Jahren noch dem »Traum von einer Sache« (1962) – wenn auch nicht unkritisch, sondern mit der »Schmach des Widerspruchs«, wie es im Dialog mit dem toten Gramsci heißt (»Le ceneri di Gramsci«, 1957), bleibt von dieser und von der Hoffnung auf das utopische Potential der von Pasolini in den 60er Jahren idealisierten Dritten Welt schließlich nicht viel übrig. Der 68er-Bewegung attestiert er, Teil der Krise des bürgerlichen Systems zu sein: »die Journalisten aus aller Welt / … lecken euch … den Arsch. Ich nicht, Freunde«. Dennoch bleibt Pasolini auf der Suche nach einem anderen Gesellschaftsmodell – und verlangt auch von seinen Zuschauern und Lesern, die Zumutungen dieser Suche auf sich zu nehmen. So heißt es im italienischen Vorwort der in Deutschland kultisch verehrten »Scritti corsari / Freibeuterschriften«: »Die Rekonstruktion dieses Buches ist dem Leser anvertraut. Er ist es, der die Fragmente eines verstreuten und unvollständigen Werkes wieder zusammenfügen muß.« Agnese Grieco (für kurze italienische Passagen), Frank Arnold, Wolfram Koch und Ursula Renneke lesen aus den Gedichten, Erzählungen, Romanen, Reiseberichten, Polemiken und Briefen von Pasolini, die teilweise eigens für die Lesung übersetzt wurden.

22.00 Uhr
Film: »Salò o Le 120 giornate di Sodoma (Die 120 Tage von Sodom)« I 1975, 116 min, OmU

»Italien macht im Moment nichts anderes durch als einen Anpassungsprozeß an den eigenen Zerfall … Die Scharen von potentiell kriminellen oder bis zum Wahnsinn oder zur totalsten Intoleranz neurotischen Jugendlichen existieren gar nicht; die Nächte sind ruhig und heiter, zauberhaft mediterran; die Entführungen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen, die Millionen Diebstähle auf offener Straße, die Einbrüche sind höchstens für Lokalnachrichten interessant etc. etc. Alle haben sich daran gewöhnt, entweder indem sie sich blind stellen oder indem sie hilflos bagatellisieren. Aber ich muß gestehen: Auch jemand, der genau beobachtet und nicht bagatellisiert, bleibt nicht davor bewahrt, sich anzupassen oder zu akzeptieren. Also passe auch ich mich dem Zerfall an, akzeptiere auch ich das Unakzeptable. Ich versuche, mein Leben wieder ins Lot zu bringen, vergesse eben langsam, wie früher alles war. Die geliebten Gesichter von einst fangen an zu vergilben. Vor mir – allmählich ohne irgendwelche Alternativen – die Gegenwart. Ich passe mein Engagement einer besseren Lesbarkeit an (Salò).« [Pasolini im »Corriere della Sera«, 9.11.1975] Regie: Pasolini. Buch: Pasolini, Sergio Citti, Pupi Avati – nach de Sade.