Pasolini 2

Diese Veranstaltung liegt im Archiv

  • Ausstellungen
  • Reihe

Mit Peter Kammerer

Mit Peter Kammerer

Pasolini und Walter Benjamins Engel der Geschichte

Walter Benjamins Beschreibung des Engels der Geschichte trifft auf frappierende Weise auf Pasolinis Schicksal zu. Was der Engel möchte: »Verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen«, ist genau das, was Pasolini mit seiner Dichtung will – und woran er notwendig scheitert. Die moderne Zertrümmerung Italiens wird mit dem »Sieg des Neokapitalismus« unaufhaltsam. Pasolini macht sich ab Beginn der 60er Jahre darüber keine Illusionen mehr. Von nun an beschreibt er die Dynamik der Zerstörung nicht nur »mit der schwarzen Wut der Poesie«, sondern in Filmen, Essays, Interviews und Artikeln – in Treue zur Idee von der Revolution als Umkehr, als Befreiung der Vergangenheit der Natur und des Menschen. In seinen letzten Gedichten, durch deren Gestein sich die wiedergefundenen Adern des Dialekts ziehen, heißt es: »So geht es nicht mehr vorwärts. … Kehren wir um. Es lebe die Armut. Es lebe der kommunistische Kampf für die notwendigen Güter«. (1973) Peter Kammerer, 1938 in Offenburg geboren, lehrt seit vielen Jahren an der Universität Urbino. Als Übersetzer, Herausgeber und Kommentator sowie mit zahlreichen Essays hat er maßgebend das Provokative und Kämpferische an Pasolinis Werk immer wieder hervorgehoben. P. Kammerer stellt seine These zu Pasolini und Walter Benjamins Engel der Geschichte zur Diskussion.

Anschließend, gegen 21.30 Uhr:
Pasolini l’enragé (Pasolini, der Zornige). F 1966/1991, 65 min, OmU

Der Regisseur und Drehbuchautor Jean-André Fieschi sprach mit Pasolini in dessen Wohnung in der Via Eufrate, an Filmschauplätzen in den römischen Vorstädten, am Strand von Ostia.