Owen Matthews »Winterkinder« Drei Generationen Liebe und Krieg

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Lesung und Gespräch

Bibikow war kein Unschuldiger, keine böse und fremde Macht, die über sein Verständnis hinausging, hatte Besitz von ihm ergriffen. Im Gegenteil, er war ein Agitator, ein Fanatiker der neuen Moral – der Moral, die nun für das übergeordnete Wohl sein Leben forderte, wie sinnlos das auch sein mochte.
[Owen Matthews]

An einem Sommertag des Jahres 1937 küßte Boris Bibikow seine beiden Töchter zum Abschied und verschwand im NKWD-Gefängnis, wo er am 14. Oktober 1937 ermordet wurde. Eine seiner Töchter, Mila, verliebte sich viele Jahre später, mitten im Moskau des kalten Krieges, in einen jungen Engländer und begann mit diesem eine gefährliche, leidenschaftliche Liebesbeziehung. Jahrzehnte später trägt ihr Sohn Owen Matthews die Fragmente dieser Geschichte zusammen. Er erzählt, wie sein Großvater der Säuberung Stalins zum Opfer fiel, wie seine Mutter ihre Kindheit in Waisenhäusern überlebte und wie Willkür, Armut und ideologischer Fanatismus jahrzehntelang einen ganzen Kontinent beherrschten.
Owen Matthews, 1971 in London geboren, studierte Neuere Geschichte in Oxford, ging 1995 als Journalist nach Moskau und schrieb von dort für The Times, The Spectator und The Independent. Seit 1997 ist er Korrespondent für Newsweek. Er lebt in Istanbul.
Owen Matthews liest aus seinem von Vanadis Buhr aus dem Englischen übersetzten Buch »Winterkinder« (Graf Verlag). Moderation: Sigrid Brinkmann. Den deutschen Text liest Frank Arnold.