Norbert Niemann: Die Einzigen
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Nach wenigen Takten lag ihm wieder jeder Ton in den Fingern. Das Schema, nach dem sie sich übers Griffbrett bewegt hatten, steckte noch in ihnen. Es war, als tanzten die Phantasien Sellwerths immer noch auf dem Fundament seiner schwerfällig mäandernden Läufe. Fast kam es ihm vor, als spiele er selber, als hinge das Instrument wieder um seinen Hals. Auf der Zarge ruhte der rechte Unterarm, der Wechselschlag marschierte. […] Der Sound war im Großen und Ganzen gleich geblieben, nur der Duktus hatte sich etwas verändert. Die Melodieführung klang weniger gehetzt.
[Norbert Niemann]
Marlene Krahl lebt für die Musik. Ihre Kompositionen und Forschungen im Bereich der elektronischen Avantgarde beanspruchen sie vollkommen, als ihr früherer Bandkollege Harry Bieler sie nach Jahren unerwartet in Venedig wieder trifft. Noch immer ist er fasziniert von ihr als Frau und Künstlerin. Er will ihr Förderer und Geliebter werden und holt sie zurück nach München, wo sie ihm die Energie verleiht, das eigene Unternehmen radikal neu zu erfinden.
Norbert Niemann, 1961 in Landau an der Isar geboren, erzählt in seinem neuen Roman »Die Einzigen« (Berlin Verlag) von der unbedingten, lebensdurchdringenden Kraft von Kunst und Liebe in Zeiten des entfesselten Marktes; er liest aus diesem Buch.
Moderation und Gespräch: Helmut Böttiger