Michele Sarfatti: Die Juden im faschistischen Italien

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Moderation und Präsentation: Juliane Wetzel und Ulrich Wyrwa

Geschichte, Identität, Verfolgung

Moderation und Präsentation: Juliane Wetzel und Ulrich Wyrwa
Das Verhältnis von Antisemitismus und Faschismus ruft in der deutschen Öffentlichkeit zwei sich widersprechende Assoziationen hervor. Auf der einen Seite wird aus deutscher Perspektive der Faschismus als ein notwendigerweise mit Antisemitismus verknüpftes Phänomen verstanden. Verwunderung löst dann jedoch aus, daß italienische Juden einen sehr hohen Anteil an der faschistischen Bewegung in Italien hatten und deutsche Juden nach 1933 im faschistischen Italien Zuflucht fanden. Antisemitische Einstellungen waren somit zunächst kein notwendiger Bestandteil des Faschismus. Spätestens mit dem Erlaß der Rassengesetze im Jahr 1938 aber hatte sich auch im faschistischen Italien der Antisemitismus durchgesetzt. Auf der anderen Seite wird gelegentlich die irrige Position vertreten, die italienischen Rassengesetze seien erst auf deutschen Druck hin erlassen worden. In der italienischen Öffentlichkeit wiederum herrschte über lange Zeit die verharmlosende Meinung vor, Antisemitismus habe es in Italien bis 1938 nicht gegeben.

Wie wenig diese Position mit der historischen Wirklichkeit übereinstimmt, macht das nun auch ins Deutsche übersetzte Standardwerk des Historikers Michele Sarfatti, Leiter des Dokumentationszentrums für Jüdische Zeitgeschichte in Mailand, deutlich, das im Jahr 2000 auf Italienisch und 2006 in englischer Übersetzung erschienen ist.

Minutiös beschreibt Sarfatti in seinem von Thomas Vormbau und Loredana Melissari übersetzten Buch (De Gruyter Verlag, Berlin 2014) die Lage der Juden zu Beginn der faschistischen Herrschaft. Er zeigt, wie zunächst die rechtliche Gleichstellung der Juden eingegrenzt und ab1936 ihre politischen Rechte beschnitten wurden, bis ihnen nach 1943 die Deportation in die Vernichtungslager drohte.

In Kooperation mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin