Margret Franzlik: Erinnerung an Wolfgang Hilbig
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Ich weiß noch wie heute, wie es war, wenn ich, aus Zeitz kommend, in Wuitz-Mumsdorf Wolfgang Hilbig nach seiner Arbeit im Heizhaus in den Triebwagen mit den roten, mit Kunstleder bespannten Bänken steigen sah, die Arbeitstasche unter den Arm geklemmt. Warum hat mein Gedächtnis ausgerechnet jene Episode gespeichert, als ich mit Wolfgang Hilbig eines Nachmittags, seine Mutter war zur Kur gefahren, bei strömendem Regen im Garten … gleich rechts am Eingang einen morschen Kirschbaum absägte.
[Margret Franzlik]
Wolfgang Hilbig, 1941 in Meuselwitz/Thüringen geboren und 2007 in Berlin gestorben, war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller. In seiner Prosa beschreibt er mehrfach die Landschaft um Meuselwitz sowie seine Arbeit als Heizer. Auch den Großvater und dessen prägenden Einfluß auf den späteren Dichter konnte man aus Hilbigs Texten kennen, weniger bekannt war jedoch bislang seine Familiengeschichte und sein Leben in der thüringischen Provinz.
Margret Franzlik, mit Wolfgang Hilbig seit dem Sommer 1969 befreundet und Mutter seiner 1980 geborenen Tochter, beschreibt in ihrem reich bebilderten Erinnerungsbuch die Familiengeschichte der Hilbigs, ihr gemeinsames Leben in Meuselwitz und Berlin und zeigt uns den Arbeiter Wolfgang Hilbig unter seinen Freunden ebenso wie den Sportler (Boxer und Turner) und den beharrlichen literarischen Autodidakten; sie liest aus ihrem Buch »Erinnerung an Wolfgang Hilbig« (Transit Verlag).