Ludwig Winder: Der Thronfolger

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Ulrich Weinzierl spricht über Ludwig Winder und seinen Roman. Frank Arnold liest.

Ein Franz-Ferdinand-Roman

Ulrich Weinzierl spricht über Ludwig Winder und seinen Roman. Frank Arnold liest.

Die Welt, die am 28. Juni die Nachricht von der Ermordung Franz Ferdinands erregt, aber nicht beunruhigt zur Kenntnis genommen hatte, glaubte nicht, daß das Sarajevoer Attentat ernste Folgen haben werde. Die Börsen waren ruhig. Am 30. Juni meldete der Berliner Börsenbericht: In der bereits gestern an den maßgeblichen Börsen des In- und Auslandes vorherrschend gewesenen Ansicht, daß die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers keine tiefgreifende Veränderung der politischen Verhältnisse zur Folge haben würde, ist keine Veränderung eingetreten. Es blieb wieder starke Geschäftsstille vorherrschend …
[Ludwig Winder]

Mit zwei Pistolenschüssen tötete der 19-jährige Gymnasiast Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 in Sarajevo den habsburgischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie. Der Auftakt zum Ersten Weltkrieg. Ludwig Winder (1889 in Südmähren geboren, 1946 in Baldock, England gestorben), einer der vielseitigsten und modernsten Schriftsteller des ‚Prager Kreises‘, hat mit dem Blick auf die heraufziehende Folgekatastrophe die Romanbiographie dieses klugen und jähzornigen, menschenscheuen und menschenverachtenden Kronprätendenten geschrieben. Das Buch erschien 1937 in der Schweiz und wurde im nationalsozialistischen Deutschland und in Österreich sofort verboten. Ulrich Weinzierl hat die Neuausgabe dieses Buches (Zsolnay Verlag) mit einem Nachwort begleitet; er spricht über Ludwig Winder und seinen Roman, dem er einen »Ehrenplatz gleich neben Joseph Roths Radetzkymarsch« zuspricht. Frank Arnold liest aus diesem Roman.