Literarische Führung: »Industriegebiet der Intelligenz«

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Treffpunkt Unteres Foyer

»Was siehst du noch, was siehst du noch?«

»Ich sehe – mich in Spiegeln von Fenstern, und dann finde ich mich hübsch, und dann gucke ich die Männer an, und die gucken auch – […] und sehe – da ist die Gedächtniskirche und mit Türmen so grau wie Austernschalen – ich kann Austern essen hochfein – […] der Gloriapalast schillert – ein Schloß, ein Schloß – es ist aber ein Kino und Kaffee und Berlin W – um die Kirche sind schwarze Ketten – und drüben das Romanische Café mit den längeren Haaren von Männern! Und da verkehrte ich auch einmal Abend für Abend mit einer geistigen Elite, was eine Auswahl ist, was jede gebildete Individualität aus Kreuzworträtseln weiß. Und wir bildeten alle einen Kreis. Und das Romanische Café ist eigentlich nicht anzuerkennen. Und jeder sagt: Gott, dieses Lokal, wo diese herabgekommenen Literaten sitzen, man sollte da nicht mehr hingehen. Und gehen dann doch hin. Ich bildete mich ungeheuer, und es war, als wenn ich eine fremde Sprache lerne.« (Passage aus Irmgard Keun »Das kunstseidene Mädchen«, 1932)

Ausgehend vom Literaturhaus Berlin begibt sich dieser literarische Spaziergang zunächst in südlicher Richtung die Fasanenstraße hinunter. Besucht werden Orte, an denen Schriftsteller wohnten und wirkten (u.a. Bertolt Brecht, Gerhart Hauptmann, Heinrich Mann). Nach einem kurzen Fußweg an der Gedächtniskirche angelangt, widmet sich die Führung den Künstlercafés des Neuen Westens (Romanisches Café, Café des Westens); die Bücherbar Kurt Tucholskys bildet den Ausklang.