Lebenserinnerungen des Malerbruders Ludwig Emil Grimm
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Ein großes Rätsel wird uns auch die Liebe bleiben. Es ist unergründlich und merkwürdig, wie Herzensneigungen entstehen. Dabei kommt es nicht auf Schönheit oder Häßlichkeit, auf Reichtum oder Armut, auf vornehm oder gering, auf bös oder gut an. Ich habe erlebt, daß die reizendsten Mädchen in die häßlichsten Männer verliebt waren, die reichste den ärmsten, die vornehmste den geringsten, die beste den bösesten, den Räuber und Mörder liebte und so umgekehrt.
[Ludwig Emil Grimm]
Ludwig Emil Grimm ist der Glücksfall eines gleich doppelten Chronisten – in Wort und Bild. Er hat unser Bildgedächtnis all der herausragenden Gestalten der Goethe-Zeit und der Romantik begründet – Clemens Brentano, Bettine von Arnim, Achim von Arnim, Heinrich Heine und viele andere hat er festgehalten, in Zeichnungen, Stichen, Radierungen und Gemälden. Und daneben hat er sich auch den Menschen seiner Zeit gewidmet, Soldaten, Bettlern und Straßenmusikanten. Er ist der illustrierende Chronist des frühen 19. Jahrhunderts. Daneben sind Ludwig Emil Grimms nicht zur Veröffentlichung bestimmte »Lebenserinnerungen« das Gedächtnisbuch seiner Familie; niemand hat die Lebensverhältnisse der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm und der drei anderen Geschwister so persönlich intim und realistisch festhalten können. Für uns ungemein anschaulich erzählt er von seinen Kindertagen im hessischen Steinau, berichtet über das Ende der napoleonischen Kriege, an denen er als Freiwilliger teilgenommen hatte, oder von der Münchener Künstlerbohème.
Die Herausgeber Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz stellen den in der Anderen Bibliothek erschienenen und von Albert Schindehütte mit Zeichnungen begleiteten Band vor.