Leben oder Schreiben. Der Erzähler Warlam Schalamow 15
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Mit Manfred Sapper, Katharina Raabe und Olga Radetzkaja
Julius Margolin: Reise in das Land der Lager
In Pinsk (Gouvernement Minsk) geboren, wuchs Julius Margolin (1900-1971) in Rußland auf, studierte Philosophie in Berlin und übersiedelte 1937 nach Palästina. Als polnischer Staatsbürger (Pinsk wurde 1920 angegliedert) mit britischem Paß erlebte er 1939 in Łódź den Überfall der deutschen Wehrmacht; mit dem Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen war der Fluchtweg zum Schwarzmeerhafen Costanza abgeschnitten. Kurz vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde Margolin im Juni 1941 vom NKWD in Pinsk als »sozial gefährliches Element« verhaftet und in ein Arbeitslager an den Weißmeer-Kanal deportiert. 1946 konnte er nach Polen zurückkehren, reiste weiter nach Palästina und verfaßte dort seinen Bericht über die Gulags und über die Verfolgung der Juden durch die sowjetischen Besatzer – doch davon wollte damals niemand etwas hören. Nach gekürzten Ausgaben auf Französisch (1949), Russisch (1952 in New York) und 1965 auf Deutsch erschien der vollständige Text erst 2010 in Paris und ist nunmehr auch auf Deutsch zugänglich.
Manfred Sapper (Redakteur der Zeitschrift »osteuropa«) stellt das Buch im Gespräch mit Katharina Raabe (Lektorin im Suhrkamp Verlag) vor und diskutiert mit ihr die sich vom heutigen Wissenstand her eindringlich stellende Frage, inwieweit die Lager ein oder gar das Signum des 20. Jahrhunderts sind. Olga Radetzkaja, die Margolins Buch übersetzt hat, liest ausgewählte Passagen.