Jürgen Theobaldy: Rückvergütung
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Renner fand sich in einen intimen Winkel gelenkt, in eine schwach beleuchtete Sackgasse, eine, wie es auf Englisch heißt: dead end street, und dort gab es für ihn, ab Datum heute, weder ein Entweichen noch ein Weiterkommen. […] Und auf einmal sah er sich als Held, ein Bezwinger dieses kurzen Winters, ein zum Angriff Umgepolter, bis in die Haarspitzen wach und gesammelt, zielsicher und waghalsig, während er mit melodisch dunklem Bariton das Wann und Wo besprach.
[Jürgen Theobaldy]
Renner, neu angestellt in einer Krankenversicherung, muß Karteien fortsetzen, die sein Vorgänger hinterlassen hat. Es sind fiktive Karteien mit fiktiven Versicherten, an denen, selbstverständlich jenseits der Legalität, viel zu verdienen ist, auch für Renner, der mit in die Konspiration der Versicherungsleitung aufgenommen wird.
Jürgen Theobaldy hat sich in der jüngsten Geschichte des Versicherungswesens und seiner Skandale umgetan, und er hat in dieser Branche konspirativer Sicherheit eine jener Falltüren aufgetan, die sich ohne Widerstand der Gier und der Lust öffnen. Tragisch und komisch taumelt sein Held der eigenen Leere hinterher.
Mit freundlicher Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer Literaturhaus Berlin e.V.