Jaroslav Rudiš: Nationalstraße
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Die ganze Welt liebt tschechisches Bier und tschechischen Humor.
Wir haben unter den Nazis gelitten und wir haben unter den Russen gelitten, wir dürfen jeden durchs Kakao ziehen. Wir sind die Opfer, schon immer gewesen. 1938. 1968. Sei keine Mimose, das ist ein alter römischer Gruß. Hat mit den Nazis nichts zu tun. Römischer Gruß! Ist doch alles nur Spaß. Ich bin ein Römer. Kein Nazi.
Warum sollte man in Europa nicht mit dem römischen Gruß grüßen dürfen, Mann? Ganz Europa ist auf den Römern gebaut. Ich bin Europäer. Ihr etwa nicht?
Ich bin ein Römer. Kein Nazi. Warum sollte man in Europa nicht mit dem römischen Gruß grüßen dürfen? Ich bin ein Europäer. Ihr etwa nicht? Heil dem Volk! Heil Europa! Neger raus. Zigos raus. Sozialschmarotzer raus. Schwuchteln raus. Böhmen den Tschechen.
[Jaroslav Rudiš]
Vandam war einer von denen, die es losgetreten haben am 17. November 1989, als unten in der Prager Altstadt auf der Nationalstraße die samtene Revolution ins Rollen kam, die einige Wochen später das kommunistische Regime hinwegfegte. Damals war Vandam ein junger Polizist, ein Vorstadt-Held oben in der Plattenbausiedlung des neuen Prag. Fünfundzwanzig Jahre später wohnt Vandam immer noch in der Plattenbausiedlung seiner Kindheit. Längst ist er kein Held mehr, sondern ein Verlierer: Wegen Gewaltexzessen aus dem Polizeidienst entfernt, prügelt er sich als einsamer Schläger durch Tage und Nächte und hebt im Fußballstadion regelmäßig die rechte Hand zum Hitlergruß.
Jaroslav Rudiš (geb. 1972) liest aus seinem soeben im Luchterhand Verlag erschienenen, von Eva Profousová aus dem Tschechischen übersetzten Roman »Nationalstraße«. Einführung und Gespräch: Martin Becker