Jan Koneffke: Ein Sonntagskind

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Von Grauen und seelischer Not fand ich nichts in den Briefen, die vom »Anpirschen«, »Feuern« und »Umnieten« handelten, als sei er der Teufelskerl eines Karl-May-Abenteuers (und passenderweise fiel an einer Stelle das Wort vom »Indianerspiel«, das er erlebt habe). Diese Zeilen verfolgten mich bis in den Schlaf. Ich brachte den Jungen aus den Briefen, leichtsinnig und grimmig, nicht mit meinem Vater zusammen, diesem klugen, bescheidenen, warmherzigen Menschen, das waren zwei Personen, die nichts miteinander zu tun hatten.
[Jan Koneffke]

Nach dem Tod seines Vaters, eines angesehenen gesellschaftskritischen Pädagogikprofessors aus der Gegend um Frankfurt, fand Jan Koneffke einen Brief aus dessen Jugend, das heißt, einen Brief, in dem der Heranwachsende von seinem späten Fronteinsatz aus dem letzten Kriegsjahr erzählt. Und in diesem Brief begegnete ihm eine Sprache, die er mit der Person, die er kannte, nicht in Übereinstimmung bringen konnte.

In seinem soeben erschienenen Roman »Ein Sonntagskind« (Galiani Berlin) unternimmt Jan Koneffke den Versuch, erzählend die wahre Identität des Menschen zu erkunden, der ihm plötzlich unverständlich erscheint. Dabei ist ein monumentaler Roman über die Lebens- und Vorstellungsbrüche der Generation von Günter Grass, Walter Jens – und eben auch seines Vaters entstanden. Jan Koneffke liest aus »Ein Sonntagskind«.