Iris Hanika: Das Eigentliche

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Mit Iris Hanika

Mit Iris Hanika

Das Eigentliche ist für Hans Frambach, der als Archivar im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung tätig ist, die Dunkelheit, »aus der dieser Staat vor langer Zeit hervorgekrochen war«, es sind die Verbrechen der Nationalsozialisten; für seine Freundin Graziela ist die körperliche Liebe, die reine Fleischlichkeit, das Eigentliche. Für die Repräsentanten des Staates sind die Bemühungen um Harmlosigkeit das Eigentliche. So nahe am Glutkern dieses »Eigentlichen« scheint keiner mehr wirklich zu leben – es herrschen ewige Vorsicht und beflissenes Gedenken.

Iris Hanika, sie veröffentlichte 2008 den Roman »Treffen sich zwei«, betreibt in ihrem neuen Roman eine ironische Kritik der professionalisierten und dadurch so gut wie aller Inhalte verlustig gegangenen Gedenkkultur unserer Tage. Nicht die Sache selbst – Nationalsozialismus und Shoah – sind Gegenstand der Debatten, sondern die künstlerische Gestaltung des Ortes, der an das Ungeheuerliche erinnern soll, die Verarbeitung mit den Mitteln der Unterhaltungsindustrie. »Das Stelenfeld war nur ein sehr interessant gestalteter Ort in der Stadt. Wenn man davorstand, statt hineinzugehen, war dieser Erinnerungsbeton ein berückend schöner Anblick und eine Erholung fürs Auge, das hier freier blicken konnte als anderswo.«
Iris Hanika liest aus ihrem Roman »Das Eigentliche« (Droschl Verlag).