Im Labor der Phantasie. Vorträge zu Literatur- und Wissenschaftsgeschichte 5
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Von Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm und Dr. Erik Porath
Die nova scientia hat die Ökonomie der Zukunft radikal neu gestaltet. Francis Bacons induktive Experimentalwissenschaft versprach eine offene und gestaltbare kommende Zeit – dies allerdings um den Preis, daß das beanspruchte Wissen unsicher wurde, weil es sinnliche Erkenntnis, spekulatives Hypothesendenken und das Risiko des Irrtums in sein Kalkül integrieren mußte. Dieses neue Paradigma der »Vorsicht« aus dem Nichtwissen der Wissenschaften gestaltete sich im 18. Jahrhundert als Herausforderung einer Dichtung, die sich auf den Entwurf möglicher Welten verlegt hatte. Im Kontext von Debatten um das »Wissen und Nichtwissen der Zukunft« (Herder) etablierten Autoren wie Friedrich Schlegel und Jean Paul Dichtung als antizipierende Kraft, die ein zukünftiges Wahrscheinliches gestaltete. Als eine Schlüsselfigur dieses Prozesses kann Adalbert Stifter verstanden werden. In seinen frühen Erzählungen verhandelte er die futurologische Brisanz der Literatur im Kontext der einschlägigen Wissenschaften seiner Zeit und formte dabei in Auseinandersetzung mit der Zukunftswissenschaft Meteorologie »Vorsicht« zu einer zentralen sozialen Kategorie.
Veranstaltungsreihe des Instituts für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin. Mit freundlicher Unterstützung der BASF AG. Konzept: Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm; Organisation: Dr. Erik Porath.