Im Labor der Phantasie. Vorträge zu Literatur- und Wissenschaftsgeschichte 1
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Mit Prof. Dr. Georg Braungart
Die Literatur zielt schon immer auf »die ganze Welt« in all ihren sichtbaren und unsichtbaren Zusammenhängen. Hingegen ist die Trennung von Geist und Natur, Künsten und Wissenschaften, Fühlen und Denken eine späte Errungenschaft unserer Kultur. Inzwischen zeichnet sich jedoch ein verstärktes Nachdenken – auch von Seiten der Wissenschaften – über den Zusammenhang der »zwei Kulturen« ab. Die Überzeugung, daß die künstlerischen und die wissenschaftlichen Weltzugänge enger verbunden sind, als lange Zeit angenommen wurde, führt gegenwärtig zu einem neuen Interesse an solchen Denk- und Verfahrensweisen, die in Künsten und Wissenschaften gleichermaßen eine große Rolle spielen. Dabei ist es insbesondere die Phantasie, die in poetischen Imaginationen, theoretischen Gedankenexperimenten, künstlerischen Entwürfen und wissenschaftlichen Versuchsanordnungen eine zentrale Stelle einnimmt. Wie produktiv ein solches Zusammenspiel – oder Konkurrieren – zwischen Phantasie, Literatur und Wissenschaften in verschiedenen historischen Konstellationen sein kann, will die Veranstaltungsreihe »Im Labor der Phantasie« thematisieren.
Veranstaltungsreihe des Instituts für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin im Literaturhaus Berlin
Mit freundlicher Unterstützung der BASF AG
Konzeption: Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm; Organisation: Dr. Erik Porath
Georg Braungart: »Ich Petrefakt, ein Mammutsknochen drin!« Geologie und Literatur im 19. Jahrhundert
Der Evolutionsforscher Stephen Jay Gould hat die Entdeckung der »Tiefenzeit«, also der riesigen erdgeschichtlichen Zeiträume, als die vierte große narzißtische Kränkung des neuzeitlichen Menschen bezeichnet: Der Mensch wird nicht nur aus dem Zentrum des Universums (Kopernikus), der Schöpfung (Darwin) und des eigenen Ichs (Freud) herausgedrängt; darüber hinaus konfrontieren Geologie und Paläontologie nach 1800 die Zeitgenossen mit der Erkenntnis, daß der Mensch im Horizont der Erdgeschichte eine nur marginale Größe ist. Wie reagiert die Literatur auf diese Einsichten? Welche Zeitvorstellung setzt sie den Naturwissenschaften entgegen?
Prof. Dr. Georg Braungart lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Tübingen.