Herta Müller. Der kalte Schmuck des Lebens 8
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Mit Hugo Diederich, Marius Oprea, Alesja Belanovich, Dr. Hubertus Knabe, Gabor Tallai, Heiki Ahonen, Prof. Dr. Valters Nollendorfs, Andrea Moll, Sven Felix Kellerhoff, Bronislaw Wildstein, Peter Brod, Helmuth Frauendorfer, Ernest Wichner und Alexandru Solomon
Internationale Konferenz des Literaturhauses Berlin, der Robert Bosch Stiftung und der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Die kommunistischen Diktaturen in Europa haben nicht nur zu schwerwiegenden Verletzungen und Deformationen der Gesellschaft geführt. Der überwiegend sanfte Übergang zur Demokratie und das Fortbestehen alter Eliten und Machtstrukturen machen auch die Aufarbeitung der Diktaturverbrechen zu einem schwierigen Prozeß. Statt den Opfern wenigstens im Nachhinein Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, dominieren oftmals Gleichgültigkeit, Verdrängung und Vertuschung.
Um so wichtiger ist es, die Anstrengungen der Zivilgesellschaft zu befördern, sich kritisch mit den Diktaturverbrechen auseinander zu setzen. Die Sicherung historischer Quellen und die Analyse des Geschehens sind ebenso unverzichtbar für eine demokratische Erinnerungskultur in Europa wie die Bestrafung der Täter und die Würdigung der Opfer. Im Rahmen der Konferenz präsentieren Akteure aus verschiedenen Bereichen den Stand der Aufarbeitung in ihren Ländern und suchen nach effektiveren Handlungsmöglichkeiten.
Zur Tagung werden Historiker, Forscher, Mitarbeiter von NGOs, Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen sowie von Archiven, Dokumentationszentren und Gedenkstätten aus Osteuropa und Deutschland eingeladen.
Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch, Simultanübersetzungen werden angeboten.
Das allgemeine Tagungsprogramm kann hier als pdf-Datei angezeigt werden.
Das detaillierte Tagungsprogramm mit allen Teilnehmern kann ebenfalls hier als pdf-Datei angezeigt werden; as well as in English.
10 – 12 Uhr
Opfer ohne Lobby – die Rolle von Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen
Millionen Menschen wurden während der kommunistischen Diktatur zu Opfern staatlich angeordneter Verbrechen. Trotzdem spielen in den nach-kommunistischen Staaten die Interessensverbände der Verfolgten oder zivilgesellschaftliche Aufarbeitungsinitiativen meist nur eine unbedeutende Rolle. Weder bei der Durchsetzung materieller Entschädigungsforderungen noch in der öffentlichen Erinnerungskultur verfügen sie über nachhaltigen Einfluß. Vertreter von Opferverbänden und anderen Nichtregierungsorganisationen analysieren die Gründe ihrer Schwäche und suchen nach Möglichkeiten für eine effektivere Lobbyarbeit in der Demokratie.
Mit Hugo Diederich (Stellvertretender Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e. V. -VOS- , Berlin; Deutschland), Marius Oprea (ehemaliger Präsident des Instituts für die Untersuchung der kommunistischen Verbrechen in Rumänien, Bukarest; Rumänien), Alesja Belanovich (Projektkoordinatorin beim Bildungsträger POST und beim Verein „Dolja/ Schicksal“, Minsk; Weißrussland); Moderation: Dr. Hubertus Knabe (Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen).
13.30 – 15.30 Uhr
Der Kommunismus im Museum – Diktaturverbrechen als Herausforderung für Gedenkstätten und Dokumentationszentren
Mit dem Ende des Kommunismus ist den zeitgeschichtlichen Museen in Mittel- und Osteuropa ein neues Stück Geschichte zugewachsen. An zentralen Orten der Verfolgung wurden zudem Gedenkstätten und Dokumentationszentren eingerichtet. Vertreter musealer Einrichtungen aus verschiedenen Ländern diskutieren über zeitgemäße Möglichkeiten, Diktaturverbrechen durch Ausstellungen öffentlichkeitswirksam aufzuarbeiten.
Mit Dr. Hubertus Knabe (Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen; Deutschland), Gabor Tallai (Programmdirektor im Haus des Terrors, Budapest; Ungarn), Heiki Ahonen (Direktor des Okkupationsmuseums, Tallin; Estland), Prof. Dr. Valters Nollendorfs (Stellv. Direktor Lettisches Okkupationsmuseum, Riga; Lettland); Moderation: Andrea Moll (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen).
16.00 – 18.00 Uhr
Die vierte Gewalt – die Rolle der Medien bei der Aufarbeitung
Nach dem Sturz der kommunistischen Diktaturen spielten die Medien eine Schlüsselrolle bei der Aufdeckung von Machtmißbrauch und Diktaturverbrechen. 20 Jahre später nehmen diese Themen in den meisten nachkommunistischen Staaten nur noch eine unbedeutende Rolle ein. Gleichzeitig gelang es jedoch Filmen wie „Das Leben der Anderen“, eine weltweite Öffentlichkeit für die kriminellen Methoden des Staatssicherheitsdienstes zu sensibilisieren. Auch das Internet spielt zunehmend eine Rolle bei der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, auch und gerade in bestehenden Diktaturen. Medienvertreter aus Mittel- und Osteuropa diskutieren über Möglichkeiten, die Öffentlichkeit besser über die Verbrechen der kommunistischen Regime zu informieren.
Mit Sven Felix Kellerhoff (Journalist, Morgenpost, Berlin; Deutschland), Bronislaw Wildstein (Journalist und Schriftsteller, Warschau; Polen), Gabor Tallai (Programmdirektor im Haus des Terrors, Budapest; Ungarn), Peter Brod (freier Journalist und Publizist, Prag; Tschechien); Moderation: Helmuth Frauendorfer (Stellv. Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen).
18.30 – 20.00 Uhr
Die Aufarbeitung von Diktaturverbrechen als europäische Aufgabe: Abschlußdiskussion
Die Auseinandersetzung mit den kommunistischen Diktaturen in der DDR und Osteuropa erfolgt gewöhnlich aus nationaler Perspektive. Die Debatten über die Öffnung der Akten, die Bestrafung der Täter oder die Entschädigung der Opfer werden in jedem Land getrennt geführt. Die Institutionen der Europäischen Union, die sich auch und vor allem als Wertegemeinschaft versteht, spielen bei der Aufarbeitung der Diktaturen hingegen kaum eine Rolle. Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutieren, wie dieser Zustand geändert werden kann.
Die Teilnahme der Gesprächspartner ergibt sich während der Konferenz. Moderation: Ernest Wichner (Leiter des Literaturhauses Berlin).
21.00 Uhr
Filmvorführung. Alexandru Solomon: „Marele jaf comunist“. („Der große kommunistische Bankraub“). Rumänien 2004 (75 Min.)
Sechs kommunistische Funktionäre – allesamt Juden – haben Ende der 50er Jahre ihre Ämter verloren und begehen ein halbes Jahr später einen spektakulären Bankraub. Nach langen Ermittlungen werden sie gefaßt, gestehen ihr Verbrechen und sehen einer Verurteilung zum Tode entgegen. Da eröffnet man ihnen, daß sie der Todesstrafe entgehen können, wenn sie bereit sind, den Banküberfall und die Ermittlungen selber in einem Film nachzuspielen. Der Film wird gedreht – beim Prozeß sogar schon live -, und die Täter werden zum Tode verurteilt und kurze Zeit später hingerichtet. Wozu diente diese blutige Farce? Anschließend Gespräch mit dem Regisseur Alexandru Solomon.
Mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung
Dank an den Hauptstadtkulturfonds