Herta Müller. Der kalte Schmuck des Lebens 7
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Mit Dr. Jochen Staadt, Dr. György Markó, Iveta Skinke, Tobias Hollitzer, Ernest Wichner, Dr. Ute Schmidt, Tamás Stark, Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz, Helmuth Frauendorfer, Christoph Schaefgen, Dr. Ritvars Jansons, Dr. Kazimierz Wóycicki, Peter Brod und Dr. Jörg Kürschner
Internationale Konferenz des Literaturhauses Berlin, der Robert Bosch Stiftung und der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen
Die kommunistischen Diktaturen in Europa haben nicht nur zu schwerwiegenden Verletzungen und Deformationen der Gesellschaft geführt. Der überwiegend sanfte Übergang zur Demokratie und das Fortbestehen alter Eliten und Machtstrukturen machen auch die Aufarbeitung der Diktaturverbrechen zu einem schwierigen Prozeß. Statt den Opfern wenigstens im Nachhinein Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, dominieren oftmals Gleichgültigkeit, Verdrängung und Vertuschung.
Um so wichtiger ist es, die Anstrengungen der Zivilgesellschaft zu befördern, sich kritisch mit den Diktaturverbrechen auseinander zu setzen. Die Sicherung historischer Quellen und die Analyse des Geschehens sind ebenso unverzichtbar für eine demokratische Erinnerungskultur in Europa wie die Bestrafung der Täter und die Würdigung der Opfer. Im Rahmen der Konferenz präsentieren Akteure aus verschiedenen Bereichen den Stand der Aufarbeitung in ihren Ländern und suchen nach effektiveren Handlungsmöglichkeiten.
Zur Tagung werden Historiker, Forscher, Mitarbeiter von NGOs, Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen sowie von Archiven, Dokumentationszentren und Gedenkstätten aus Osteuropa und Deutschland eingeladen.
Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch, Simultanübersetzungen werden angeboten.
Das allgemeine Tagungsprogramm kann hier als pdf-Datei angezeigt werden.
Das detaillierte Tagungsprogramm mit allen Teilnehmern kann ebenfalls hier als pdf-Datei angezeigt werden; as well as in English.
10 – 12 Uhr
Quellen des Verbrechens – die Rolle der Archive im Aufarbeitungsprozeß
Die kommunistischen Diktaturen in Mittel- und Osteuropa haben eine Fülle von Herrschaftsdokumenten hinterlassen. Insbesondere die Akten der Staatssicherheitsdienste sind wichtige Quellen ihrer Verbrechen, während die prekären Selbstzeugnisse von Opposition und Widerstand oft unzureichend dokumentiert sind. Staatlichen und privaten Archiven kommt deshalb eine wichtige Rolle im Aufarbeitungsprozeß zu. Archivvertreter aus verschiedenen Ländern beschreiben den Stand ihrer Arbeit und diskutieren, wie die Dokumente der Verfolgung besser zugänglich gemacht werden können.
Mit Dr. Jochen Staadt (Historiker und Projektleiter des Forschungsverbundes SED-Staat, FU Berlin; Deutschland), Dr. György Markó (ehemaliger Chef der ungarischen Stasi-Akten-Behörde, Budapest; Ungarn), Iveta Skinke (Historikerin und wissenschaftliche Referentin des Lettischen Staatsarchivs, Riga; Lettland), Tobias Hollitzer (Leiter der Gedenkstätte Museum „Runde Ecke“, Leipzig; Deutschland); Moderation: Ernest Wichner (Leiter des Literaturhauses Berlin).
14 – 16 Uhr
Die Rekonstruktion des Vergangenen – die Rolle der Geschichtsschreibung bei der Aufarbeitung von Diktaturverbrechen
Geschichte wird von den Siegern geschrieben, lautet eine weit verbreitete Einschätzung über das Geschichtsbild nach fundamentalen politischen Umbrüchen. Trotz des Sieges der Demokratie über den Kommunismus ist die Geschichtsschreibung in Mittel- und Osteuropa jedoch zum Teil weit davon entfernt, die Diktaturverbrechen kritisch aufzuarbeiten. Die frühere Staatsnähe etablierter Historiker erweist sich ebenso als Hindernis wie die politische oder nationale Instrumentalisierung der jüngsten Geschichte. Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern diskutieren über Aufgaben und Hindernisse bei der historischen Aufarbeitung des Kommunismus.
Mit Dr. Ute Schmidt (Historikerin und Projektleiterin des Forschungsverbundes SED-Staat, FU Berlin; Deutschland), Tamás Stark (Historiker am Institut für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest; Ungarn), Prof. Dr. Krzysztof Ruchniewicz (Direktor des Willy-Brandt-Zentrums für Deutschland- und Europastudien an der Universität Breslau; Polen); Moderation: Helmuth Frauendorfer (Stellv. Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen).
16.30 – 18.30 Uhr
Täter ohne Strafe – die Rolle der Justiz bei der Ahndung von Staatsverbrechen
Die Aufarbeitung von Verbrechen aller Art ist normalerweise Aufgabe der Justiz. Gleichwohl hat es in der Weltgeschichte bislang kaum ein Land gegeben, wo beim Übergang von der Diktatur zur Demokratie die staatlich angeordneten Verbrechen zufriedenstellend geahndet wurden. Auch nach dem Ende des Kommunismus wurde nur eine Handvoll von Funktionären zur Rechenschaft gezogen. Juristen aus verschiedenen Ländern diskutieren den Stand der strafrechtlichen Aufarbeitung und die justiziellen Möglichkeiten zur Aufklärung von Diktaturverbrechen.
Mit Christoph Schaefgen (Generalstaatsanwalt a.D., Berlin; Deutschland), Dr. Ritvars Jansons (Historiker am Lettischen Okkupationsmuseum, Riga; Lettland), Dr. Kazimierz Wóycicki (ehemaliger Direktor des Instituts für Nationales Gedenken -IPN-, Warschau; Polen), Peter Brod (freier Journalist und Publizist, Prag; Tschechien); Moderation: Dr. Jörg Kürschner (MDR-Redakteur und Vorsitzender vom Förderverein Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen).
20 Uhr
Filmvorführung. Edvins Snore: „The Soviet Story“
Der Film „The Soviet Story“ dokumentiert die ideologische und politische Kollaboration zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus. In aufsehenerregenden, teils schockierenden Bildern beschreibt er die kommunistischen Massenverbrechen und die vielfältigen Bezüge zwischen den beiden totalitären Regimen. Der Film des lettischen Regisseur Edvins Snore wurde 2008 gedreht und vom Europäischen Parlament gefördert. (85 Min.; Englisch mit deutschen Untertiteln)
Mit freundlicher Unterstützung der Robert Bosch Stiftung
Dank an den Hauptstadtkulturfonds