Herta Müller. Der kalte Schmuck des Lebens 5
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Mit Walter Wehmeyer
Nach der Revolution in Ungarn 1956 hofften auch viele Rumänen, daß in ihrem Land Veränderungen möglich werden könnten. Doch die kommunistische Diktatur griff rigoros durch und ahndete noch den Anschein antitotalitärer oder antisowjetischer Aktivitäten. Beim sogenannten »Schriftsteller-Prozeß« 1959 in Kronstadt/Bras¸ov (von 1951 bis 1961 Stalinstadt) wurden unschuldige Autoren, unter ihnen Hans Bergel (geb. 1925) sowie Wolf von Aichelburg (1912–1994) und Personen aus deren Umfeld zu mehrjährigen Haftstrafen und Zwangsarbeit verurteilt. Sie waren vom präparierten »Hauptzeugen der Anklage«, Eginald Schlattner (geb. 1933), belastet worden, der schon 20 Monate lang im Securitategefängnis malträtiert worden war. Schlattner, der sich nach seiner Entlassung als Tagelöhner durchschlug, später als Ingenieur arbeitete, 1973 ein Theologiestudium begann und jahrzehntelang Gemeindepfarrer war, trug schwer an seinem verräterischen Versagen. Im Westen wurde er bekannt, als seine Romane »Der geköpfte Hahn« (1998), »Rote Handschuhe« (2000) und »Das Klavier im Nebel« (2005; alle bei Zsolnay) erschienen, in denen er sich mit den damaligen Ereignissen auseinandersetzt.Der Filmemacher Walter Wehmeyer hat versucht, sich in zahlreichen Gesprächen Eginald Schlattner anzunähern. Und er befragte die Verratenen, darunter Schlattners Bruder, aber auch den damalige »Verhörsleiter«, der sich an seine Foltermethoden nicht erinnern will. Hans Bergel, seit 1968 in München, weigerte sich, in einem Film gemeinsam mit Schlattner aufzutreten.
Walter Wehmeyer stellt seinen 2008 fertiggestellten Film (90 min) vor.