Herta Müller. Der kalte Schmuck des Lebens 11
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Mit Herta Müller, Sanda Weigl, Shoko Nagai, Stomu Takeishi und Satoshi Takeishi
Finissage / Veranstaltung in Kooperation mit der Akademie der Künste
Als die legendäre Sängerin Maria Tanase 1963 im Alter von nur 50 Jahren starb, strömten in Bukarest Tausende auf die Straßen, um dem Sarg zu folgen: Maria Tanase, die Autodidaktin, hatte sich in die Herzen der Menschen gesungen, mit ihrer Stimme, der sie das Flüstern, Parlieren, Fluchen, Spotten, Klagen und Betteln abverlangte, als wär es das Selbstverständliche. Mit ihren Interpretationen, denen man die vorlaute und schwere Bäuerin, die nonchalante Vorstadtgöre und die perfekte, filigrane Großstadtdame anhörte. Sie hatte sich »vom Lehmboden zum Asphaltrand, vom Asphaltrand zum Restauranttisch, vom Restauranttisch auf die großen Bühnen gesungen«, ihre Tourneen gingen bis nach New York und Paris. Aus gesammelten und aufgezeichneten Volksliedern wurden Maria Tanase-Lieder, die Herta Müller als Halbwüchsige in der Stadt kennenlernte: »Beim Hören der Maria Tanase begriff ich zum ersten Mal, was Folklore sein kann – ich nahm Volkslieder zum ersten Mal ernst. Diese Musik konnte ich immer vor und nach und zwischen den Gedichten der Autoren hören, die ich mochte. Für mich gehörten sie bruchlos zu der Lyrik, der ich alles glaubte, wenn ich sie las. Sie führten genau wie diese im Schädel dorthin, wo die Gedanken anders mit sich sprechen als in Worten.«
Erstmals stellt Herta Müller zusammen mit Sanda Weigl & Band Maria Tanase-Lieder vor, deren poetische, bilderreiche Texte Herta Müller übersetzt und teilweise in ihren Roman »Herztier« eingebaut hat: »Wer liebt und verläßt/ den soll Gott strafen/ Gott soll ihn strafen/ mit dem Kriechen der Schlange/ mit dem Schritt des Käfers/ dem Surren des Windes/ dem Staub der Erde.«
Sanda Weigl, Nichte von Helene Weigel, wurde in Bukarest geboren und übersiedelte 1961 aus politischen Gründen mit ihrer Familie nach Ost-Berlin, wo sie nach Protesten und Flugblattaktionen gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Armeen 1968 in die CSSR wegen »staatsfeindlicher Hetze« gemeinsam mit Thomas Brasch, Florian Havemann und anderen, verurteilt wurde. Ende der 70er Jahre nach West-Berlin ausgebürgert, arbeitete sie als Schauspielerin mit Regisseuren wie Luc Bondy, Jürgen Flimm und Peter Zadek in Berlin, München und Zürich. Die Zusammenarbeit mit Robert Wilson brachte sie zum Gesang zurück, was zu vielbeachteten Auftritten mit rumänischer Zigeunermusik in Hamburg führte. Seit 1992 lebt Sanda Weigl mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Klaus Pohl, in New York. Sie feierte in der New Yorker Jazz-Szene ebenso Erfolge wie auf ausgedehnten Tourneen durch Europa. Ihr Debütalbum »Gypsy Killer« mit Liedern von Maria Tanase erschien 2002, für ihre neue CD vom Juli 2010 hat sie weitere Stücke der rumänischen Sängerin aufgenommen.
Sanda Weigl wird begleitet von ihren japanischen Musikerkollegen Shoko Nagai (piano, accordion, keyboard), Stomu Takeishi (electric bass) und Satoshi Takeishi (percussion).
Im Vorverkauf können Karten an den Veranstaltungskassen der Akademie der Künste sowohl am Pariser Platz als auch am Hanseatenweg erworben werden.