Heinrich Gerlach: Durchbruch bei Stalingrad

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Ist denn etwas geschehen, was jenen trüben Pessimismus der Fachleute rechtfertigen könnte? So dachte Unhold, und sein Blick bekam wieder Glanz und Farbe. Nichts, gar nichts! Brauchitsch und Rundstedt sind fort, in der Versenkung verschwunden als ungläubige Zweifler. Andere, Gläubigere sind an ihre Stelle getreten. Hitler selbst hat den Oberbefehl über das Heer übernommen. Ein Jahr ist vergangen, und heute stehen wir bei Stalingrad. Ein Genie, unbegreifbar in seiner Eigengesetzlichkeit, hat alle Theorie und alle Schulweisheit hinweggefegt.[Heinrich Gerlach]

Der Autor Heinrich Gerlach, ein deutscher Offizier, der in Stalingrad und später im russischen Lager zum entschiedenen Gegner Hitlers wurde, war bei der Gründung des Bundes Deutscher Offiziere dabei, agitierte gegen Hitlerdeutschland (seine Familie kam dafür in Sippenhaft), wurde aber, nachdem er sich nach Kriegsende weigerte, für die Sowjets zu spionieren, zur persona non grata.

Das lange verschollene Manuskript von Heinrich Gerlachs Roman »Durchbruch bei Stalingrad« (und sämtliche geheime Abschriften) wurden konfisiziert, Gerlach selbst zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt. Erst nachdem er sich zum Schein zur Spionage bereit erklärte, kam er frei. Ohne den Roman. Nach seiner Flucht nach Westberlin wurde er von den östlichen Geheimdienstlern bedrängt und  floh schließlich weiter nach Westdeutschland, seine Berliner Wohnung brannte noch in der Fluchtnacht aus. Sämtliche Versuche, das Buch zu erinnern, scheiterten – bis Gerlach einen Hypnotiseur (BIld oben) aus München um Hilfe bat.  Was dabei entstand, wurde nach seinem Erscheinen 1957 unter dem Titel »Die verratene Armee« ein Bestseller, danach kam es mit dem Hypnotiseur allerdings noch zu einem Prozess um die Teilung der Tantiemen.

Carsten Gansel hat in einem russischen Archiv die Originalfassung wiederentdeckt, so daß dieses Buch nun, angereichert mit dokumentarischem Material und einem umfangreichen Nachwort, erstmals in der Originalfassung erscheint.

Carsten Gansel stellt im Gespräch mit dem Historiker Jörg Baberowski Heinrich Gerlachs Roman »Durchbruch bei Stalingrad« (Galiani Verlag) vor; Frank Arnold liest aus diesem Buch.