Hannah Arendt – Von den Dichtern erwarten wir Wahrheit 15

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Günther Anders: Wenn ich verzweifelt bin, was geht's mich an… (Eine Filmaufnahme.)

Günther Anders: Wenn ich verzweifelt bin, was geht’s mich an… (Eine Filmaufnahme.)

Nachtrag

Im September 1929 hatten Hannah Arendt und Günther Stern (geb. 1902 in Breslau), die sich aus Heideggers Marburger Seminar von 1925 kannten, geheiratet; nach dem Scheitern von Sterns Frankfurter Habilitationsplänen lebte das Paar wieder in Berlin, wo G. Stern auf Empfehlung von Brecht beim »Börsen-Courier« angestellt wurde und seine Beiträge als Günther Anders unterzeichnete. Schon vor Anders’ Flucht nach Paris wenige Tage nach dem Reichstagsbrand kriselte die schließlich 1937 geschiedene Ehe, dennoch half Anders später von Amerika aus bei der Beschaffung der Einreisepapiere für H. Arendt und deren zweiten Ehemann Heinrich Blücher. 1950 nach Europa zurückgekehrt, lebte G. Anders bis zu seinem Tod 1992 in Wien.

Seine vom Atombombenabwurf mit veranlaßte These, »daß wir mehr herstellen, als wir uns vorstellen und verantworten können« – so formuliert im 1956 erschienen ersten Band seines opus magnum »Die Antiquiertheit des Menschen« –, blieb für Anders der Stachel, sich aktiv in der Anti-Atom-Bewegung zu engagieren und sich der Geschichtsmächtigkeit der Technik zu erwehren. Auch sein Briefwechsel mit dem Hiroshima-Piloten Claude Eatherly (1961), der »Offene Brief an Klaus Eichmann« (1964) und seine Bücher »Die Schrift an der Wand« (1967) wie »Besuch im Hades« (1979), in denen Anders Auschwitz und Hiroshima zusammendenkt, lassen sich als »Gespräche mit Hannah Arendt«, über deren große Totalitarismusstudie (dt. 1955), die »Vita activa« (1960) und das Eichmann-Buch (dt. 1964) lesen. Wenige Monate nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl Ende April 1986 sprach Gero von Boehm mit Günther Anders.
Für die Filmaufnahme danken wir dem Südwestrundfunk (51 min).