Hannah Arendt und die Pflicht zum Ungehorsam

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ARTE-Filmpremiere

Hannah Arendt ist eine der einflußreichsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch was sagt ihr Werk jungen Menschen von heute? Einer Generation, die sich jenseits nationaler oder kontinentaler Beschränkungen bewegt, und die Partei ergreift für ein »Denken ohne Geländer«, der Systeme, Ideologien und Wunschvorstellungen? Ob im Arabischen Frühling, beim Protest gegen politische Repressionen in der Ukraine, dem Engagement der Occupy-Bewegung oder beim Publikmachen staatlich sanktionierten Ausspionierens ganzer Völker: In jüngster Zeit hat Arendts Werk eine neue Aktualität erhalten. So nimmt ihr Buch »Über die Revolution« bei der politischen Debatte von Oppositionellen in den Ländern des Arabischen Frühlings eine zentrale Bedeutung ein. Ihr Essay »Macht und Gewalt« läßt sich auch auf die Unrechtsregimes unserer Tage beziehen; und ihr »Bericht von der Banalität des Bösen« verweist auch auf unsere modernen Gesellschaften: »Ich glaube nicht, daß das Konzept von der ‚Banalität des Bösen‘ nur auf ein paar Offiziere aus dem Zweiten Weltkrieg angewendet werden kann. Es ist etwas tief Verankertes in unserer Gesellschaft und immer noch sehr häufig vorzufinden. Es entstammt unserer Kultur des Gehorsams«, so eine ägyptische Intellektuelle.

Der Film zeichnet das Leben und Werk Hannah Arendts nach: Geboren 1906 in Hannover, studierte sie bei den Philosophen Karl Jaspers und Martin Heidegger, mit dem sie eine Liebesbeziehung hatte. 1933 floh sie aus Nazi-Deutschland und emigrierte in die USA, wo sie sich der zionistischen Bewegung und der Erforschung und Deutung des Totalitarismus widmete. Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Massenbewegung und dem totalitären Bewußtsein ging es ihr stets darum, den Menschen vor seiner Degradierung zum Konsumenten, »Automaten« und reinen Bürokraten zu bewahren. Arendts politisches Denken blieb dabei stets der Aktualität verbunden. Und so schlägt der Film von Ada Ushpitz immer wieder Brücken zu gegenwärtigen Entwicklungen und Brennpunkten in der ganzen Welt.

Auf ARTE ist der Film am 9. März 2016, 21:45 Uhr, zu sehen.

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