FREMDHEIT. FLUCHT. ANGST. AUFBRUCHSPHANTASIE 2
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Die Gespräche, die Texte und der Film gehen zurück auf lange Freundschaften mit den Autoren: Hans-Jürgen Heinrichs traf den epocheprägenden Ethnologen und Schriftsteller Michel Leiris zum ersten Mal 1972 in Paris, als er dessen deutsche Werkausgabe vorbereitete. Dies war der Anfang einer Freundschaft und Zusammenarbeit bis zu Leiris‘ Tod 1990. Danach veröffentlichte Heinrichs – als Abschluß der Werkausgabe – noch den Band »Leidenschaften« und seine Biographie »Ein Leben als Künstler und Ethnologe. Über Michel Leiris«. Aus seinem umfangreichen Archiv (unter anderem mit Dokumenten, die ihm Leiris übergab, und einer Spezialbibliothek) zeigt Heinrichs an diesem Abend einen Fernsehfilm über Leiris, an dem er mitgearbeitet hat, in dem Dokumente der legendären Dakar-Djibouti-Expedition gezeigt werden, und in dem Francis Bacon auftritt.
1976 erschien »Xango«, der I. Band der »Afroamerikanischen Religionen« von Hubert Fichte und Leonore Mau. Hans-Jürgen Heinrichs‘ euphorische Rezeption dieses Projekts (das mit dem II. Band »Petersilie« 1980 abgeschlossen wurde) war der Beginn einer intensiven Beziehung bis zu Fichtes frühem Tod 1986. Hubert Fichte publizierte (teils mit Leonore Mau) mehrere Bücher in Heinrichs‘ 1980 gegründetem Qumran Verlag für Ethnologie und Kunst. Spektakulär: Fichtes Gespräch mit Jean Genet, der Band »Psyche« und »Ich bitte dringend um Häusermauern daß Pap Samb sie bemalen kann«. Die Bände werden an diesem Abend in einer Lesung von Frank Arnold vorgestellt.
Hubert Fichte ist der einflußreichste deutsche Autor der Verknüpfung von Ethnologie und Literatur. Sein groß angelegtes Werk »Die Geschichte der Empfindlichkeit« wurde erst nach seinem Tod vollständig veröffentlicht. Seine neue Rezeption beginnt gerade wieder, auch international. Hans-Jürgen Heinrichs ist auch Autor einer Biographie über Hubert Fichte.
Besonders intensiv miteinander verbunden waren Hans-Jürgen Heinrichs und Roger Willemsen in den Jahren um 2005 und 2010, in denen Willemsens literarisches Debüt »Kleine Lichter« und sein Meisterwerk der Reisen »Die Enden der Welt« erschienen. In dieser Zeit führten sie ein fünfstündiges Gespräch, das dann gekürzt im NDR und HR lief, und ein nicht endenwollendes Gespräch in Schloß Neuhardenberg. Die Gespräche waren für ein späteres Buch vorgesehen.
Dieser Abend, an dem einige Gespräche präsentiert werden, versteht sich auch als eine Hommage an die unerschütterlichen Reisenden, an alle in den Gesprächen »auftretenden« literarischen Nomaden und an den leider bereits 2016 verstorbenen Kosmopoliten und leidenschaftlichen Zeitgenossen Roger Willemsen.