Fadhil al-Azzawi: Der Letzte der Engel

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Gespräch: Thomas Lehr


Obwohl er von den Kindern des Viertels bei seiner Rückkehr von der Schule mit Hohn und Spott empfangen wurde, war er überaus stolz auf sich gewesen, als er ein Buch sowie die Hefte und orangefarbenen Bleistifte, deren Geruch ihn verzauberte, in Empfang genommen hatte. Er drehte sich nicht einmal nach den Kindern um, beschimpfte sie nicht noch stritt er mit ihnen, doch seit jenem Tag verspürte er ein dunkles Gefühl von Macht, ein Gefühl, das ihn niemals wieder loslassen sollte.

[Fadhil al-Azzawi]

Kirkuk im Irak der fünfziger Jahre. Weil er aufgrund einer Verleumdung seine Stelle als Fahrer bei der britischen Erdölfirma verliert – er soll der leichtfertigen Frau seines »Boss« Avancen gemacht haben -, findet Hamid in der Folge seine Berufung als Revolutionär und gründet eine Gewerkschaft. Sein Schwager Chidr Musa reist nach Rußland, um seine zwei Brüder wiederzufinden, die seit dem Ersten Weltkrieg als vermißt gelten. Doch der Schlüssel zu ihrer aller Schicksal liegt bei dem siebenjährigen Burhan Abdallah, der ein verschlossenes braunes Kästchen entdeckt, das ihm erlaubt, mit drei weiß gewandeten alten Männern zu sprechen, die, wie sie behaupten, Engel sind, sich jedoch durchaus auch teuflisch verhalten.

 Fadhil al-Azzawi, 1940 in Kirkuk geboren und aufgrund seiner politischen Aktivitäten im Irak drei Jahre lang im Gefängnis, lebt seit 1977 in Deutschland. Er hat mehrere Romane, sieben Lyrikbände, Essays sowie Übersetzungen u.a. von Robert Musil, Christian Morgenstern und Hans Magnus Enzensberger (ins Arabische) veröffentlicht.

Sein großer Roman »Der Letzte der Engel« (Dörlemann Verlag), von Larissa Bender ins Deutsche übersetzt, zeichnet sich durch »verzweifelten Humor, Lakonie, feine Ironie und grelle Komik« aus, so Thomas Lehr, der den Autor vorstellt, mit ihm spricht und aus dem Buch liest.