ERSTER WELTKRIEG – 100 JAHRE – DADA
Diese Veranstaltung liegt im Archiv
Programm (nach dem historischen Programmzettel)
Gedächtnisfeier für gefallene Dichter veranstaltet von Hugo Ball und Richard Huelsenbeck am Freitag, den 12. Februar 1915 abends 8 ½ Uhr im Architektenhaus
Hugo Ball: Eröffnung
A.R. Meyer: über Ernst Stadler
Dr. Kurt Hiller: über Ernst Wilhelm Lotz
Frau Resi Langer (Rezitation): Verse von Ernst Stadler, Ernst Wilhelm Lotz und Walter Heymann
Hugo Ball: über Hans Leybold
Richard Huelsenbeck: über Charles Péguy
Frau Resi Langer (Rezitation): Verse von Hans Leybold, Prosa von Charles Péguy
Sie kamen meist aus der Provinz nach München oder Berlin. Sie verstanden sich als Vertreter einer jungen, rebellischen Literatur. Sie schrieben kurze Texte vom Traum der Sehnsucht und dem Aufbruch der Jugend. Sie gründeten Verlage und Zeitschriften, deren Namen Programm war: Der Sturm, Die Aktion, Die weissen Blätter und Revolution. Sie brachen mit den ästhetischen und moralischen Konventionen und Vorstellungen des Bürgertums.
Fast alle meldeten sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militärdienst. Aber ein halbes Jahr später war alle Euphorie verflogen. Da kam es zu einer denkwürdigen »Gedächtnisfeier für gefallene Dichter«. Sie zu rekonstruieren und – hundert Jahre danach – erneut zu präsentieren, ist ein kompliziertes Puzzle, eine aufregende intellektuelle Konstellation.
Diese »Gedächtnisfeier«, organisiert von Hugo Ball und Richard Huelsenbeck, ist während des Krieges einer der ganz seltenen Momente in Deutschland, in dem sich Intellektuelle verständigt haben, gemeinsam öffentlich zu trauern – auch wenn man sich nicht über alles einig und dieser Konsens brüchig war.
Man ließ »die Jugend die Jugend begraben«, konnte man damals in der Zeitung lesen, nur wenige der Beteiligten und Betrauerten waren knapp älter als 30 Jahre. Die Feier war den vier jungen – so jung toten – deutschen Dichtern Walter Heymann, Hans Leybold, Ernst Wilhelm Lotz und Ernst Stadler gewidmet. Der fünfte der gefallenen Dichter aber war älter: Der Franzose Charles Péguy, Zentralfigur der Pariser Intellektuellen der Vorkriegszeit, starb mit 41 Jahren am Vorabend der Marneschlacht und trug dazu bei, den deutschen Durchmarsch nach Paris zu verhindern.
Mit zwei dokumentarischen Lesungen soll in Zusammenarbeit mit der Hugo-Ball-Gesellschaft (Pirmasens) an die künstlerische Opposition gegen den Ersten Weltkrieg erinnert werden, die den DADAISMUS hervorgebracht hat.
Eine Doppelveranstaltung der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Berlin
Die Lesung TEIL II: DADA – ÄSTHETISCHE OPPOSITION
findet statt am
4. November 2015, 19 Uhr
Ort: Vertretung Landesregierung NRW
Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.