Eginald Schlattner: Mein Nachbar, der König, verlassene Geschichten

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Mit Eginald Schlattner und Michaela Nowotnik

Mit Eginald Schlattner und Michaela Nowotnik

Eginald Schlattner, 1933 in Arad in Rumänien geboren, lebt seit 1978 in Rothberg (Siebenbürgen) als Pfarrer und Schriftsteller. Er veröffentlichte die Romane »Der geköpfte Hahn« (1998), »Rote Handschuhe« (2000) und »Das Klavier im Nebel« (2005). In diesem Frühjahr erscheint ein Band mit Erzählungen, die zwischen 1956 und 1998 entstanden sind: »Mein Nachbar, der König, verlassene Geschichten«. Eginald Schlattner liest aus diesem Buch.

Ab 14 Uhr veranstaltet Michaela Nowotnik einen Workshop zu Eginald Schlattner, der allen Interessierten offen steht.

In den 1950er Jahren war der junge Student Eginald Schlattner ein schriftstellerisches Nachwuchstalent der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien. Vom damaligen Staatsverlag für Literatur und Kunst waren zwei seiner Erzählungen angenommen, lektoriert und für den Druck vorbereitet worden. Das erste Honorar hatte Schlattner schon erhalten, als er 1957 verhaftet und in einem politisch motivierten Prozeß verurteilt wurde. Die Publikation beider Texte wurde daraufhin zurückgezogen, die literarische Karriere Eginald Schlattners damit vorerst beendet. Die Manuskripte aber überdauerten die Zeiten und sind 2012 erstmals zugänglich.

Workshop
Gegenstand des Workshops sind die 1956/1957 von Eginald Schlattner geschriebenen Erzählungen »Odem« und »Gediegenes Erz«. Beide Texte waren von der deutschen Abteilung des rumänischen Staatsverlags für Literatur und Kunst angenommen und lektoriert worden. In den Originalmanuskripten sollen Überarbeitungsstufen untersucht und im Zusammenhang mit Verlagskorrespondenzen, historischen Zeitungsausschnitten und weiteren Materialien aus dem Umkreis der Texte gedeutet werden. Welche Formen von Zensur und Selbstzensur vorliegen und welchen Einfluß der rumänische Staatsverlag auf die Entstehung der Literatur Eginald Schlattners hatte, sind Fragen, die diskutiert werden sollen. Ferner soll der Versuch unternommen werden, die Bedeutung von Literatur auf die politischen Prozesse, in die Eginald Schlattner Ende der 1950er Jahre involviert war, zu erfassen.
Michaela Nowotnick (Lehrbeauftragte an der HU Berlin und Herausgeberin von »Mein Nachbar, der König«) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Werk und mit dem in Hermannstadt archivierten Vorlaß Eginald Schlattners.

Um 18 Uhr zeigen wir den Film »Von der Macht des Verdächtigens. Eginald Schlattner und das Securitate-Trauma« von Walter Wehmeyer.