Dževad Karahasan: Der Trost des Nachthimmels
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Irgendwo hatte ich gelesen, daß Omar Chayyam in Balh an ein Buch gekommen war, das er gebraucht hatte, aber nicht bekommen und mitnehmen konnte. So daß er es fünf Mal las und dann zu Hause aus dem Gedächtnis fast ohne Fehler und Auslassungen aufschrieb. Warum hätte ich die Handschrift über ihn, die ich mindestens fünf Mal gelesen und transkribiert hatte, nicht aufschreiben können sollen?!
[Dževad Karahasan]
In Isfahan verliebt sich der Hofastronom Omar Chayyam in die Tochter eines Mannes, dessen rätselhaften Tod er aufklären sollte. Er kommt zu dem Schluss, daß der Mann vergiftet wurde. Aber durch wen? Chayyams akribische Recherchen erzeugen eine Atmosphäre obsessiver Verdächtigungen, erweisen sich als menschlich zerstörerisch, aber erfolgreich. Würde er seiner Liebsten sagen, wer ihrem Vater das Gift verabreicht hat, wäre ihre gerade aufkeimende Liebe am Ende. Wie also weiterleben?
In Sarajewo, der orientalischsten Stadt Europas, hatte jahrhundertelang eine Handschrift in der Bibliothek gelegen, in der diese Geschichte aus dem 12. Jahrhundert erzählt wurde. 1992, als die Bibliothek in Brand geschossen wurde, ist auch diese Handschrift unwiederbringlich vernichtet worden. Der Erzähler dieses Romans rekonstruiert diese Geschichte von der Kraft der Liebe und der Ohnmacht der Vernunft.
Elf Jahre lang hat Dževad Kaharasan an seinem Roman über Omar Chayyam und den Niedergang einer blühenden islamischen Kultur gearbeitet. Er liest aus dem von Katharina Wolf-Grießhaber aus dem Bosnischen übersetzten Buch und spricht mit dem Literaturkritiker Helmut Böttiger.