Doppelleben – Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland 30

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Film: »Der Hauptmann von Köln«

Film: »Der Hauptmann von Köln« DDR/DEFA 1956, 114 min

Wenige Jahre nach Gründung beider deutscher Staaten ist der „Kalte Krieg mit filmischen Mitteln“ in vollem Gange: „Der Hauptmann von Köln“ von Slatan Dudow (der 1932 mit Brecht den „Kuhle Wampe“-Film realisiert hatte) attestierte der Bundesrepublik Versagen auf ganzer Linie als re-faschistischer, korrupter und dem falschen Modell westlicher Demokratie zugewandter Staat. Namentlich nur wenig verschleiert, „beweist“ der Film anhand der Anspielungen auf Generalfeldmarschall Kesselring, auf die Politiker Hans-Christoph Seebohm und Hans-Joachim von Merkatz oder auf den Bankier Robert Pferdmenges, daß in der Bundesrepublik überwiegend alte Nationalsozialisten das Sagen haben, die, ganz wie Konrad Adenauer, einen „Schlußstrich“ unter die jüngste deutsche Vergangenheit ziehen wollen und zudem mit den ewig gestrigen Militaristen einen Atomschlag gegen die DDR planen. Für die Bundesrepublik ist keine Vorführung des Films nachweisbar, und in der DDR wurde es selbst dem späteren Chef-Kommentator des Fernsehens, Karl Eduard von Schnitzler, etwas mulmig ob der forcierten Überzeichnung, die durchaus berechtigte Fragen nach der Rolle verurteilter Kriegsverbrecher rein propagandistisch klärte. Mit Rolf Ludwig, Erwin Geschonneck u.a.