Doppelleben – Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland 24
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Film: »Roman einer jungen Ehe« DDR/DEFA 1951, 103 min
Kurt Maetzig (geb. 1911) gehörte im Mai 1946 nicht nur zu den Mitbegründern der DEFA, deren Wochenschau „Der Augenzeuge“ er außerdem leitete, sondern drehte den wohl erfolgreichsten Nachkriegsfilm – am 3.10.1947 in allen vier Sektoren Berlins uraufgeführt: „Ehe im Schatten“, der zudem einer der wenigen ostdeutschen Filme war, in denen das Schicksal der deutschen Juden in der NS-Zeit thematisiert wurde. Während „Roman einer jungen Ehe“ etwas plakativ die Bekehrung eines mehr dem Westen zuneigenden Mannes zu seiner dem Osten verbundenen Ehefrau darbietet, werden aber über den ebenfalls filmisch verarbeiteten Freispruch Veit Harlans von 1950 Defizite der westdeutschen Justiz aufgedeckt. V. Harlan, Regisseur des NS-Propagandafilms „Jud Süß“, wurde erst 1958 per Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes attestiert, daß der Aufruf zum Boykott seiner Filme rechtens sei und sich darin eine Wandlung des deutschen Kulturlebens ausdrücke. „Roman einer jungen Ehe“ kulminiert in einer Feier der Aufbauarbeit in der Stalinallee – und verschwand nach dem 17. Juni 1953 aus den DDR-Kinos.